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GRAND BUDAPEST HOTEL 4/10
Verfasst: 20.06.2015, 01:47
von Olmo
Deutschland, USA 2014 - Regie: Wes Anderson. Darsteller: Ralph Fiennes, F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Bill Murray, Edward Norton, Saoirse Ronan, Jason Schwartzman, Léa Seydoux, Tilda Swinton, Tom Wilkinson, Owen Wilson, Tony Revolori
Ein junger Schriftsteller (Law) begegnet im inzwischen ziemlich heruntergekommenen Grand Budapest Hotel dem zurückgezogen lebenden Zéro Moustafa (Abraham), welcher sich als Besitzer des Etablissements erweist und ihm aus den goldenen Zeiten des Hotels erzählt. Der Flüchtlingsjunge Zéro arbeitete damals als Lobby Boy unter dem strengen Regiment des Monsieur Gustave (Fiennes), welcher sich mit besonderer Hingabe um die reichen, älteren, weiblichen und verwitweten Hotelgäste kümmert. Als die wohlhabende Witwe Madame D. (Swinton) verstirbt und Gustave ein wertvolles Gemälde hinterlässt, sind deren Angehörige empört und bezichtigen ihn des Mordes. Gustave kann das Bild zwar vor der gierigen Verwandtschaft in Sicherheit bringen, landet aber dennoch kurz darauf im Gefängnis. Zéro verhilft Gustave zur Flucht, welcher nun nach Beweisen für seine Unschuld sucht.
Wes Andersons Tragikomödie wurde zu großen Teilen in Babelsberg und im sächsischen Görlitz gedreht und weist die für seine Filme übliche bunte und phantasievolle Inszenierung auf. Der ganze süße Kitsch kann aber nicht über die enttäuschend zähe und langatmige Handlung hinwegtäuschen, die sich trotz des hohen Staraufgebots als reizlos und blutleer erweist. Mehr Tempo und Surrealismus hätte dem viel zu ernst geratenen Film gut getan.
DER GROßE GATSBY 4/10
Verfasst: 24.06.2015, 14:54
von Olmo
Australien, USA 2013 - Regie: Baz Luhrmann. Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tobey Maguire, Carey Mulligan, Joel Edgerton, Isla Fisher, Jason Clarke, Elizabeth Debicki, Jack Thompson, Amitabh Bachchan
Der Schriftsteller Nick Carraway (Maguire) freundet sich mit seinem geheimnisumwitterten Nachbarn Jay Gatsby (DiCaprio) an. Gatsby bewohnt ein gewaltiges, schlossartiges Anwesen auf Long Island, wo er jedes Wochenende rauschende Partys mit illustren Gästen veranstaltet. Über seine Herkunft und den Ursprung seines Vermögens kursieren die wildesten Gerüchte, allein Nick gegenüber enthüllt er die Wahrheit über sein vergangenes Leben. So arrangiert Nick schließlich für Gatsby auch ein Treffen mit seiner Cousine Daisy (Mulligan), mit der Gatsby einst liiert war und die inzwischen mit dem vermögenden Tom Buchanan (Edgerton) verheiratet ist. Gatsby glaubt, seine große Liebe zurückgewinnen zu können und drängt Daisy zur Trennung von Tom. Der eifersüchtige Ehemann aber, der selbst zahlreiche Seitensprünge vorzuweisen hat, kommt hinter die Geheimnisse des Emporkömmlings Gatsby und macht dessen Träume zunichte.
Durch verschiedenste Stilmittel wurde bewusst versucht, sich von den bisherigen Verfilmungen des Stoffes - vor allem der bekanntesten von 1974 mit Robert Redford und Mia Farrow - abzuheben und der Geschichte ein moderneres Flair zu verpassen. Das ist zwar interessant und die Unterscheidung gelingt auch, doch der zauberhafte Charme der Goldenen Zwanziger geht dabei leider komplett flöten. Unentwegt übertönt ein nervtötender Soundtrack die Handlung, die von sehr eindimensional und klischeehaften Figuren bevölkert ist. Gatsby wird nicht als souveräner Mann von Welt, sondern als unsicheres und verwundbares Würstchen dargestellt, und andere wichtige Charaktere wie die 1974 von Karen Black so wunderbar und ergreifend verkörperte Myrtle gehen hier vollkommen unter.
INTERSTELLAR 6/10
Verfasst: 25.06.2015, 14:33
von Olmo
Großbritannien, USA 2014 - Regie: Christopher Nolan. Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Ellen Burstyn, John Lithgow, Michael Caine
Durch extreme Klimaveränderungen haben sich die Lebensbedingungen auf der Erde dramatisch verschlechtert. Die Ernten werden regelmäßig durch Schädlinge vernichtet und gigantische Sandstürme fegen über das rare Ackerland. Die ressourcenverschlingenden technischen Errungenschaften der Vergangenheit werden inzwischen verteufelt oder gar verleugnet. So muss auch der ehemalige Astronaut Cooper (McConaughey) ein ungeliebtes Dasein als Farmer fristen, eines Tages jedoch entdeckt er zusammen mit seiner Tochter Murphy eine geheime NASA-Einrichtung, die unter der Leitung von Professor Brand (Caine) ein Raumfahrtprogramm zur Besiedlung ferner Planeten betreibt. Cooper begibt sich selbst ins Weltall, um den Verbleib mehrerer verschollener Astronauten zu klären. Während Coopers Mission einen Rückschlag nach dem anderen erfährt und schließlich zu scheitern droht, hat die mittlerweile erwachsene Murphy (Chastain) längst die Hoffnung auf die Rückkehr ihres Vaters aufgegeben.
Der Film erinnert stark an ''2001 - Odyssee im Weltraum'' (1968) und ''2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen'' (1984). Die komplexe Geschichte ist wohl durchdacht und optisch brillant umgesetzt. Allerdings ergeben sich auch einige logische Ungereimtheiten und die Auflösung ist dann letztendlich ziemlich banal und kitschig geraten.
NIKOLAUS UND ALEXANDRA 7/10
Verfasst: 26.06.2015, 14:04
von Olmo
Großbritannien, USA 1971 - Regie: Franklin J. Schaffner. Darsteller: Michael Jayston, Janet Suzman, Roderic Noble, Ania Marson, Candace Glendenning, Irene Worth, Fiona Fullerton, Lynne Frederick, Harry Andrews, Jack Hawkins, Jean-Claude Drouot, John McEnery, Eric Porter, Tom Baker, Michael Bryant, Vivian Pickles, James Hazeldine, Ian Holm, Brian Cox, Laurence Olivier, Michael Redgrave, Curd Jürgens, Julian Glover, Diana Quick, Guy Rolfe
Zar Nikolaus II. (Jayston) und Zarin Alexandra (Suzman) regieren ein desolates Rußland, das stur an den verkrusteten Strukturen des 17. Jahrhunderts festhält. Verheerende Hungersnöte und sinnlose Feldzüge verschärfen die Lage zusätzlich, lassen das Volk rebellieren und führen zum Aufstieg der Bolschewiken um Lenin (Bryant). Doch die Aufstände werden blutig unterdrückt und jegliches demokratische Bestreben im Land unterbunden. Dem Zaren liegt in erster Linie der Erhalt seiner glorreichen Dynastie am Herzen, was er mit der Geburt des Zarewitsch Alexei (Noble) gesichert sieht, welcher durch seine Bluterkrankheit jedoch ständiger Aufsicht bedarf. Das weltfremde Gebaren des Zaren, die zweifelhaften Machenschaften des Mönches Rasputin (Baker) am Hof und schließlich der verlustreiche Erste Weltkrieg bestärken das russische Volk, sich der Romanows endgültig zu entledigen.
Detailgetreu werden verschiedenste Ereignisse aus dem Leben der letzten Romanows dargestellt bis hin zu ihrer Ermordung am 17. Juli 1918 in Jekaterinenburg. Dabei wird ein durchaus differenziertes Bild des Herrscherpaares gezeichnet, das einerseits pflichtbewusst und weltfremd ihr traditionelles Selbstverständnis und ihre gottgegebene Bestimmung als Dynastie ausübt und liebevoll Sorge um seine Kinder trägt, dabei andererseits aber auch das Volk rücksichtslos ausbeutet und zu Millionen in den Tod treibt. Auch die Gegner des Zarentums werden in ihren Beweggründen und Taten sehr realistisch dargestellt einschließlich der Schrecken des von Lenin ausdrücklich befürworteten ''Roten Terrors''.
THE AMAZING SPIDER-MAN 2 - RISE OF ELECTRO 2/10
Verfasst: 27.06.2015, 14:08
von Olmo
USA 2014 - Regie: Marc Webb. Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Jamie Foxx, Dane DeHaan, Colm Feore, Felicity Jones, Paul Giamatti, Sally Field
Sein Vollzeitjob als Superheld lässt Peter Parkers (Garfield) Beziehung zu Gwen (Stone) scheitern. Außerdem enthüllt er das Vermächtnis seines Vaters, der die Welt vor den zweifelhaften Experimenten Norman Osborns bewahren wollte, welcher menschliche mit tierischer DNS verknüpfen ließ, um seine schwere Krankheit zu heilen, aber auch um damit biologische Waffen zu entwickeln. Osborns Sohn Harry (DeHaan) hat die Krankheit seines Vaters geerbt und experimentiert mit Spider-Mans Spinnengift - mit grausigen Folgen. Und der unscheinbare Oscorp-Elektriker Max Dillon (Foxx) fällt in einen Tank mit mutierten Zitteraalen und kann fortan mit seinem Körper unbegrenzt Energie erzeugen oder absorbieren.
Ebenso wie Osborns Experimente ist der Film eine abartige Chimäre aus Comic-Adaption und Ghetto-Drama. Der Held hält verbissen an irgendwelchen Uralt-Männer-Versprechen fest, die er seinem ''Bro'' dereinst gegeben hat, während ihn überempfindliche Bösewichte aus den banalsten Beweggründen zu ihrem Todfeind erklären. Das ist Kino für Dummbatze.
IMMER ÄRGER MIT HARRY 7/10
Verfasst: 28.06.2015, 03:13
von Olmo
USA 1955 - Regie: Alfred Hitchcock. Darsteller: Edmund Gwenn, John Forsythe, Mildred Natwick, Mildred Dunnock, Jerry Mathers, Royal Dano, Parker Fennelly, Barry Macollum, Dwight Marfield, Shirley MacLaine
Die Einwohner eines beschaulichen Örtchens in Vermont stolpern eines Tages im Wald nacheinander über eine Leiche und jeder von ihnen glaubt, für dessen Tod verantwortlich zu sein. Der alte Seebär Wiles (Gwenn) denkt, er habe ihn aus Versehen bei der Hasenjagd erschossen, während die alternde Miss Gravely (Natwick) ihm kurz zuvor eins mit dem Stock übergebraten hatte, weil er sie anscheindend ins Gebüsch zerren wollte. Die junge Jennifer (MacLaine) schließlich erkennt in dem Toten ihren ungeliebten Ehemann Harry, dessen Ableben sie recht gleichmütig zur Kenntnis nimmt und vorschlägt, ihn einfach am Fundort rumliegen zu lassen. Auch der abgebrannte Maler Sam (Forsythe) wird zum Mitwisser des Leichenfundes, den die Vier gemeinsam zu verheimlichen versuchen. So richtig kann man sich dann aber doch nicht auf eine einheitliche Strategie einigen, weshalb der Leichnam gleich mehrmals ein- und wieder ausgebuddelt wird.
Weniger die eher dürftige Handlung als der herrlich morbide Humor und die für Zeit äußerst gewagten sexuellen Anzüglichkeiten machten die Hitchcock-Komödie - zumindest in Europa - zu einem großen Erfolg.
MY WEEK WITH MARILYN 6/10
Verfasst: 29.06.2015, 14:19
von Olmo
Großbritannien 2011 - Regie: Simon Curtis. Darsteller: Michelle Williams, Kenneth Branagh, Eddie Redmayne, Dominic Cooper, Philip Jackson, Derek Jacobi, Toby Jones, Michael Kitchen, Julia Ormond, Simon Russell Beale, Dougray Scott, Zoë Wanamaker, Emma Watson, Judi Dench
1956 kommt Marilyn Monroe (Williams) nach England, um mit dem großen Laurence Olivier (Branagh) eine seichte Komödie zu drehen. In der Gegenwart gestandener Shakespeare-Mimen fühlt sich das Glamour-Girl aber zutiefst verunsichert und versagt regelmäßig vor der Kamera, was den professionnell arbeitenden Regisseur Olivier zunehmend in Rage versetzt. Nur der Regieassistent Colin Clark (Redmayne) bringt Verständnis für die Diva auf, welche von ständigen Selbstzweifeln geplagt ist und sich vor dem zermürbenden Starruhm in Tablettensucht und Affären flüchtet.
Gelungene Verfilmung der Erinnerungen des Filmemachers Colin Clark (1932-2002) an die schwierigen Dreharbeiten zu ''Der Prinz und die Tänzerin'' (1956) und seine Beziehung zu Marilyn Monroe, deren labiler und verletzlicher Charakter von Michelle Williams äußerst glaubwürdig dargestellt wird.
LEG IHN UM! 8/10
Verfasst: 30.06.2015, 01:50
von Olmo
Deutschland 2012 - Regie: Jan Schütte. Darsteller: Hans-Michael Rehberg, Oliver Sauer, Stephan Schad, Susanne Wolff, Pheline Roggan, Anne Weber, Ole Schloßhauer, Oana Solomon, André Kaczmarczyk
Der Unternehmer August Manzl (Rehberg) ist sterbenskrank und hat nur noch wenige Monate zu leben. Seine Kinder hält er allesamt für Versager und unwürdig, seine Nachfolge anzutreten. Sein gesamtes Vermögen verspricht er daher demjenigen, der genug Mut aufbringt, ihn innerhalb einer bestimmten Frist über den Jordan zu schicken. Andernfalls fällt alles Geld der Kriegsgräberfürsorge zu. Die beziehungsgestörte Brut reagiert zunächst angewidert auf das Ultimatum, entwickelt dann aber erstaunliche Kreativität bei der Planung einer adäquaten Todesart. Der alte Sack erweist sich allerdings als äußerst zäh und durchaus noch lebenslustig.
Noch so ein verborgenes Filmjuwel aus Deutschland, das makaber und unerbittlich die tiefsten Abgründe einer völlig gestörten Familie offenbart. Grandios dabei Hans-Michael Rehberg, der als todkranker Familienpatriarch immer noch genug Energie aufbringt, seinen unnützen Nachwuchs zu demütigen.
DER HUNDERTJÄHRIGE ... 6/10
Verfasst: 01.07.2015, 22:30
von Olmo
... DER AUS DEM FENSTER STIEG UND VERSCHWAND
Schweden 2013 - Regie: Felix Herngren. Darsteller: Robert Gustafsson, Mia Skäringer, Iwar Wiklander, David Wiberg, Jens Hultén, David Shackleton, Ralph Carlsson, Georg Nikoloff, Alan Ford
Mit stolzen 100 Jahren ist Allan Karlsson (Gustafsson) immer noch fidel genug, um aus dem Fenster des Altenheimes zu klettern und das Weite zu suchen. Auf seiner Odyssee lernt das Fossil viele neue Freunde kennen, wird aber auch von gefährlichen Gangstern verfolgt, denen er einen Koffer mit 50 Millionen Schwedischer Kronen entwendet hat. Allan hält Rückschau auf ein äußerst ereignisreiches Leben, währenddessen er unter anderem durch sein merkwürdiges Talent für Sprengstoffe Einfluss auf wichtige Ereignisse der Weltgeschichte nehmen konnte. Er rettet General Franco das Leben, hilft beim Bau der ersten Atombombe, zieht den Zorn Stalins auf sich und wird im Kalten Krieg schließlich zum gefragten Doppelagenten.
Die Verfilmung des Romans von Jonas Jonasson über Allan Karlsson und seine haarsträubenden Abenteuer ist eine skurrile und sehenswerte Mischung aus ''Forrest Gump'' (1994) und ''In China essen sie Hunde'' (1999).
THE EXPENDABLES 2 5/10
Verfasst: 03.07.2015, 22:10
von Olmo
USA 2012 - Regie: Simon West. Darsteller: Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Chuck Norris, Terry Crews, Randy Couture, Liam Hemsworth, Scott Adkins, Yu Nan, Jean-Claude Van Damme, Bruce Willis, Arnold Schwarzenegger
Lustvoll mordend und rücksichtslos zerstörend erfüllt das Team um Barney Ross (Stallone) und Lee Christmas (Statham) konsequent seine Aufträge. Barney schuldet dem zwielichtigen Mr. Church (Willis) noch einen Gefallen, weshalb dieser das Team auf eine brisante Mission auf den Balkan schickt, wo in unterirdischen Kammern Tonnen von Plutonium aus sowjetischen Beständen lagern. Doch auch der brutale Jean Vilain (Van Damme) interessiert sich für die wertvolle Ware und wird zu Barneys erbittertem Gegner.
Die selbst für einen Actionfilm übertriebenen Gewaltorgien, bei denen jede zerfetzte Leiche wie ein Fußballtor gefeiert wird, sind einfach nur widerlich. Die permanente Selbstironie der Hauptdarsteller macht dagegen richtig Freude, ebenso die grandiosen Gastauftritte von Arnold Schwarzenegger und Chuck Norris.
REAL STEEL 4/10
Verfasst: 04.07.2015, 22:38
von Olmo
USA 2011 - Regie: Shawn Levy. Darsteller: Hugh Jackman, Dakota Goyo, Evangeline Lilly, Anthony Mackie, Kevin Durand, Hope Davis, James Rebhorn, Karl Yune, Olga Fonda
Nach dem Tod der Mutter kommt der junge Max (Goyo) vorübergehend zu seinem Vater Charlie (Jackman). Der ehemalige Boxer verdingt sich - meist ohne großen Erfolg - bei den inzwischen allseits beliebten Roboterkämpfen und leidet unter ständiger Geldnot. Auf einem Schrottplatz entdeckt Max den veralteten Roboter ''Atom'', den er liebevoll restauriert und ihn voller Begeisterung zu gefeierten Siegen führt. Berauscht von ''Atoms'' scheinbarer Unbezwingbarkeit fordert Max den bisher unbesiegten ''Zeus'' zu einem Duell heraus, wofür er aber auf die große Boxerfahrung seines Vaters angewiesen ist.
Eine ziemlich abgestandene und weinerliche Vater-Sohn-Story, verpackt in eine sinnlose und überflüssige Kampfroboter-Zukunftsvision. Vermutlich ein Versuch, mittels der bewährten Mainstream-Kassenmagneten Action-Spektakel und Tränendrüsen-Kino ein bisschen Geld zu verdienen. Immerhin ist die vertauschte Rollenverteilung zwischen dem unfähigen und erfolglosen Vater und dem vorlauten und souveränen Dreißigkäsehoch von Sohn ganz nett anzuschauen.
A SINGLE MAN 8/10
Verfasst: 05.07.2015, 17:56
von Olmo
USA 2009 - Regie: Tom Ford. Darsteller: Colin Firth, Julianne Moore, Matthew Goode, Nicholas Hoult
Seit dem Unfalltod seines langjährigen Lebenspartners Jim (Goode) quält sich der Literaturprofessor George Falconer (Firth) durch sein für ihn nun sinnlos gewordenes Leben. Er entschließt sich daher zu einem wohlorganisierten Selbstmord, ordnet seine Besitzverhältnisse, schreibt Abschiedsbriefe, legt akkurat seine Kleidung für das Begräbnis bereit und achtet sogar darauf, dass beim Gehirn wegpusten die Wände nicht unnötig beschmutzt werden. Angesichts seiner baldigen Erlösung legt George seine biedere Zurückhaltung ab und öffnet sich plötzlich den Menschen in seiner Umgebung. Durch seine alte Freundin Charley (Moore), den jungen Studenten Kenny (Hoult), durch liebenswerte Nachbarn und viele andere nette Leute und schöne Ereignisse werden George schließlich jede Menge Gründe vor Augen geführt, noch ein wenig mehr Zeit auf der Welt zu verbringen.
Ein ruhiges, wenig emotionsgeladenes Drama, von Colin Firth und den anderen Hauptdarstellern ausgezeichnet gespielt. Nicht allein durch die wechselnde Farbintensität der Szenen ist der ineinanderfließende Gegensatz zwischen Georges biederem und wohlsortiertem Sechziger-Jahre-Alltag und der dahinter verborgenen vielschichtigen Gefühlswelt wunderschön komponiert.
THE IMITATION GAME - EIN STRENG GEHEIMES LEBEN 7/10
Verfasst: 07.07.2015, 11:24
von Olmo
Großbritannien, USA 2014 - Regie: Morten Tyldum. Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Rory Kinnear, Allen Leech, Matthew Beard, Charles Dance, Mark Strong
Anfang des Zweiten Weltkriegs kommt der Mathematiker Alan Turing (Cumberbatch) nach Bletchley Park, wo der britische Geheimdienst die besten Köpfe des Landes versammelt, um den hochkomplexen deutschen ''Enigma-Code'' zu entschlüsseln. Turing erkennt, dass einer maschinellen Verschlüsselung nur mit einer maschinellen Entzifferung begegnet werden kann und setzt auf die Konstruktion einer monströsen Entschlüsselungsmaschine. Sein egozentrisches Wesen und der mangelnde Erfolg des Projekts machen ihn bei den Kollegen unbeliebt und fordern den Zorn seiner Vorgesetzten heraus. Einzig die junge Joan Clarke (Knithley) hält zu Turing, der schließlich das Unmögliche erreicht.
Eine sehenswerte Biographie mit hochkarätiger Besetzung. Der vollkommen überflüssige deutsche Zusatztitel ''Ein streng geheimes Leben'' bezieht sich auf die parallel erzählte Geschichte über Turings Homosexualität, die zu seiner Zeit noch als strafbar galt. Cumberbatch läuft bei seiner Interpretation leider immer wieder Gefahr, in die ebenso exzentrische Rolle seines ''Sherlock Holmes'' zu verfallen, letztendlich transportiert er die unglaubliche Tragik der Figur Alan Tuning aber hervorragend, wie übrigens auch sein jüngeres Pendant Alex Lawther.
BIRDMAN 8/10
Verfasst: 09.07.2015, 17:15
von Olmo
USA 2014 - Regie: Alejandro González Iñárritu. Darsteller: Michael Keaton, Zach Galifianakis, Edward Norton, Andrea Riseborough, Amy Ryan, Emma Stone, Naomi Watts
Als Comic-Held der ''Birdman''-Filmreihe war Riggan Thomson (Keaton) einst ein gefeierter Weltstar, doch seine weitere Karriere verlief danach steil bergab. Jahre später wird er in der Öffentlichkeit nach wie vor nur mit ''Birdman'' identifiziert und kann sich auch innerlich nicht von der Figur trennen, die als sein zweites Ich beständig Kontrolle über sein Leben auszuüben versucht. Thomson will sich von seiner Vergangenheit trennen und versucht sich als Regisseur, Autor und Darsteller an einem anspruchsvollen Bühnenstück am Broadway. Die Zeit vor der Premiere ist von zahlreichen Pannen und Rückschlägen begleitet. So fällt einer der Hauptdarsteller nach einem Bühnenunfall aus und muss durch den exzentrischen Broadway-Profi Mike Shiner (Norton) ersetzt werden, welcher Riggan durch sein egomanisches Auftreten in den Schatten zu stellen droht. Besonders das zerrüttete Verhältnis zu seiner gerade aus der Entzugsklinik entlassenen Tochter Sam (Stone) bestärkt Riggan in dem Selbstzweifel, nicht nur als Vater, sondern auch beruflich ein totaler Versager zu sein.
Iñárritus äußerst vielschichtiges Werk bietet ein wenig von allem: tiefgründiges Drama, Komödie, Realsatire und surreale Metapher. Natürlich spielt die Figur des ''Birdman'' an Michael Keatons einstige Rolle in ''Batman'' an, dessen eigene Karriere seither auch nicht besonders erfolgreich verlief. Doch was er und die anderen Darsteller hier abliefern, ist einfach atemberaubend, zumal in dem Film weitgehend auf Schnitte verzichtet wurde und die Schauspieler sich daher ohne Pause durch überlange, komplizierte Handlungssequenzen arbeiten mussten. Erwähnenswert ist auch die ungewöhnliche Filmmusik von Antonio Sanchez, die fast ausschließlich aus Schlagzeug-Soli besteht.
GAMBIT - DER MASTERPLAN 2/10
Verfasst: 10.07.2015, 19:55
von Olmo
USA 2012 - Regie: Michael Hoffman. Darsteller: Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman, Tom Courtenay, Stanley Tucci
Der Kunstkurator Harry Deane (Firth) ist die Erniedrigungen seines despotischen Chefs Lionel Shahbandar (Rickman) endgültig leid. Er will ihm daher ein gefälschtes Gemälde von Claude Monet unterjubeln, das dieser schon seit Jahren begehrt und ihn um ein Vermögen erleichtern. Deane benötigt dafür die Hilfe der unerschrockenen texanischen Rodeoreiterin PJ Puznowski (Diaz), die sich als Enkelin jenes Soldaten ausgeben soll, der besagtes Gemälde dereinst aus Hermann Görings Residenz entwendet und in die Vereinigten Staaten geschafft haben soll. In der Theorie funktioniert Deanes Plan ganz hervorragend, bei der praktischen Umsetzung geht allerdings so ziemlich alles schief.
Kaum zu glauben, dass die Coen-Brüder (''No Country for Old Men'' (2007), ''Inside Llewyn Davis'' (2013)) das Drehbuch zu dieser dümmlichen Komödie verfasst haben. Und auch die vielversprechende Bestzung erweist sich als eine einzige Enttäuschung, selbst der großartige Alan Rickman bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Stattdessen bekommt man eine unerträgliche Anhäufung geschwätziger Dialoge, operettenhafter schauspielerischer Übertreibung und alberner Klischees aller Art serviert. Der Moment, als der deutsche Kunstexperte im Film nach preußischer Soldatenmanier die Hacken zusammenschlägt, ist der Moment, in dem man dem Grauen ein Ende setzen und die DVD aus dem Laufwerk reißen möchte.