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GEFÄHRTEN 7/10
Verfasst: 11.07.2015, 20:48
von Olmo
USA 2011 - Regie: Steven Spielberg. Darsteller: Emily Watson, David Thewlis, Peter Mullan, Niels Arestrup, Tom Hiddleston, Jeremy Irvine, Benedict Cumberbatch, Toby Kebbell, David Kross, Eddie Marsan, Nicolas Bro, Rainer Bock, Patrick Kennedy, Liam Cunningham
Als der Farmer Ted Narracot (Mullan) statt eines arbeitstüchtigen Ackergauls das widerspenstige Halbblut ''Joey'' vom Pferdemarkt mit nach Hause bringt, wird er von allen für verrückt erklärt. Sein idealistischer Sohn Albert (Irvine) schafft es aber gegen alle Widerstände, das Pferd für die Arbeit auf dem Feld abzurichten und damit die Existenz der Familie vorübergehend zu sichern. Nach einem schweren Unwetter droht der Vater jedoch seine Farm zu verlieren und verkauft Joey zu Beginn des Ersten Weltkriegs notgedrungen an das britische Militär. Mit Captain Nicholls (Hiddleston) zieht er in die Schlacht und gerät schon bald quasi in deutsche ''Kriegsgefangenschaft''. Als Zugpferd für Geschütze wird Joey nun bis zum Umfallen geschunden und ein Wiedersehen mit Albert, der inzwischen auch bei den Soldaten ist, scheint unmöglich.
Die zu befürchtende Pferdeliebhaber-Schnulze tritt glücklicherweise in den Hintergrund zugunsten einer sehr eindrücklichen Schilderung des Kriegsalltags in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs mit all seinen Schrecken. Auf die übliche Schwarzweiß-Malerei wurde dabei verzichtet, stattdessen wird ein sehr differenziertes Bild der für beide Seiten entsetzlichen Kriegshandlungen gezeichnet. Die zu Anfang des Krieges oft erschreckend anachronistische Philosophie der Kriegsteilnehmer wird beeindruckend dargestellt in der Szene, als die britische Kavallerie nach althergebrachter Manier Säbel voraus und siegesgewiss über ein deutsches Heerlager herfällt, um kurz darauf von Maschinengewehren zu Hunderten niedergemäht zu werden.
WHATEVER WORKS 5/10
Verfasst: 12.07.2015, 02:40
von Olmo
Frankreich, USA 2010 - Regie: Woody Allen. Darsteller: Ed Begley Jr., Patricia Clarkson, Larry David, Conleth Hill, Michael McKean, Evan Rachel Wood, Henry Cavill, John Gallagher Jr., Jessica Hecht, Carolyn McCormick, Christopher Evan Welch
[img]http://auteurs_production.s3.amazonaws.com/post_images_danny/Individual%20images/whatever-works.jpg[/img]
Der Physiker und Beinahe-Nobelpreisträger Boris Yellnikoff (David) ist ein zynischer Menschenhasser wie er im Buche steht. Das junge Südstaaten-Dummchen Melody (Wood), das sich bei Boris mehr oder weniger gewollt einquartiert, bringt das selbsterklärte Genie mit ihrer fehlenden Bildung und ihrer Naivität permanent aus der Fassung. Nach und nach übernimmt Melody zu Boris' Freude dessen zynische Ausdrucksweise, ohne aber dabei ihre positive Lebenseinstellung zu verlieren, während Boris unter ihrer Anwesenheit zusehends aufblüht. Als die beiden zum Entsetzen von Melodys Mutter Marietta (Clarkson) auch noch heiraten, führt diese ihre Tochter in die Arme des jüngeren Randy (Cavill), während sie selbst und ihr Ex-Ehemann John (Begley Jr.) ebenfalls abenteuerliche neue Beziehungen eingehen.
Woody Allens bisher letzter in New York spielender Film erreicht nicht ganz die Qualität seiner außergewöhnlichen Europa-Filmreihe. Larry David als überheblicher und menschenverachtender Wonneproppen, der auch gern mal kleine Kinder anschreit, wenn sie unter seinem Niveau Schach spielen, ist trotzdem ein echtes Highlight.
THE EXPENDABLES 3 4/10
Verfasst: 12.07.2015, 22:47
von Olmo
Frankreich, USA 2014 - Regie: Patrick Hughes. Darsteller: Sylvester Stallone, Jason Statham, Antonio Banderas, Jet Li, Wesley Snipes, Dolph Lundgren, Kelsey Grammer, Randy Couture, Terry Crews, Mel Gibson, Harrison Ford, Arnold Schwarzenegger, Kellan Lutz, Ronda Rousey, Glen Powell, Victor Ortiz, Robert Davi
Als der längst totgeglaubte Conrad Stonebanks (Gibson) plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint, wird das Team um Barney Ross (Stallone) von CIA-Kontaktmann Max Drummer (Ford) beautragt, den berüchtigten Waffenhändler ausfindig zu machen und ihn lebend vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu schaffen. Ross hält seine bisherigen Mitstreiter für überaltert und ersetzt sie durch ein jüngeres und dynamischeres Team. Doch die Nachwuchskiller erweisen sich als zu unerfahren für den Einsatz gegen Stonebanks, der zudem als abtrünniges Mitglied der Expendables den abgrundtiefen Hass seiner ehemaligen Kollegen auf sich gezogen hat.
Zwar wartet auch das dritte ''Expendables''-Spektakel mit einer ganzen Legion hochkarätiger Gaststars auf, doch längst nicht in der humorvoll-ehrerbietenden Weise wie in den vorangegangenen Teilen. Stattdessen ist die Handlung unnötig düster und depressiv ausgefallen. Während leider versäumt wurde, die Charaktere der altgedienten Action-Haudegen besser herauszuarbeiten, erweisen sich die Nachswuchsdarsteller als ausnahmslos unsympathisch und in keiner Weise dem Format der Senioren ebenbürtig.
AMERICAN HUSTLE 7/10
Verfasst: 14.07.2015, 02:06
von Olmo
USA 2013 - Regie: David O. Russell. Darsteller: Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Jeremy Renner, Jennifer Lawrence, Louis C.K., Jack Huston, Michael Peña, Shea Whigham, Alessandro Nivola, Eisabeth Rohm, Paul Herman, Robert De Niro
Die gerissenen Trickbetrüger Irving Rosenfeld (Bale) und Sydney Prosser (Adams) ergaunern sich mit angeblichen Kreditversprechen britischer Banken ein Vermögen. Der FBI-Agent Richie DiMaso (Cooper) überführt die beiden, stellt ihnen aber Strafmilderung in Aussicht, wenn sie ihre überzeugenden Methoden dafür einsetzen, hochrangige Politiker wie den Bürgermeister von Camden Carmine Polito (Renner) der Bestechlichkeit zu überführen. Die erhoffte Festnahme des einflussreichen Mafiosi Victor Tellegio (De Niro) erweist sich jedoch selbst für Irving und Sydney als eine Nummer zu groß.
Unterhaltsame Gaunerei im Stile von ''Ocean's Eleven'' (2001) oder ''The Italian Job'' (1992), aber mit eher ernsteren und gesellschaftskritischen Zügen. Die alberne 70er-Jahre-Maskerade ist dabei zwar witzig, aber eigentlich auch vollkommen überflüssig. Toll dagegen der klischeehafte, aber wunderschön zeitlose Retro-Soundtrack.
SCHTONK! 7/10
Verfasst: 15.07.2015, 01:48
von Olmo
Deutschland 1992 - Regie: Helmut Dietl. Darsteller: Götz George, Uwe Ochsenknecht, Christiane Hörbiger, Rolf Hoppe, Dagmar Manzel, Veronica Ferres, Ulrich Mühe, Martin Benrath, Hermann Lause, Karl Schönböck, Rosemarie Fendel, Harald Juhnke
Mit abstrusen Nazi-Devotionalien lässt sich auch vierzig Jahre nach Kriegsende unter Umständen immer noch ein Vermögen verdienen. Das weiß auch der Hamburger Reporter Hermann Willié (George), der seiner Redaktion die in seinem Besitz befindliche Yacht Hermann Görings samt Silberlöffel und Bademantel unterjubeln möchte. Über seine Altnazi-Kontakte macht Willié (''mit Akzent auf dem e'') Bekanntschaft mit dem ebenso geschäftstüchtigen ''Prof. Dr.'' Fritz Knobel (Ochsenknecht), der ihm Dutzende Bände der zertifiziert originalen Hitler-Tagebücher mit ''F H''-Siegel präsentiert. Geblendet von den schaurig-faszinierenden Einblicken in SEINEN privaten Alltag geht die Redaktion mit der Sensationsmeldung an die Öffentlichkeit und erlebt damit bald ihren ganz eigenen ''Untergang''.
Eine absolut zeitlose Satire, die eigentlich nur durch die zugrunde liegenden hanebüchenen Ereignisse um den ''Stern''-Skandal von 1983 übertroffen wird. Götz George als sensationslüsterner Schmierlappen mit nervösem Tic und Uwe Ochsenknecht als stümperhafter Fälscher, der sich mit der Zeit selbst in die Inkarnation des Führers verwandelt sind inzwischen ebenso legendär wie das immer wieder zitierte ''F H'' (Führer Hitler - Fahne hoch - Führers Hund ...).
NORD 6/10
Verfasst: 17.07.2015, 03:26
von Olmo
Norwegen 2009 - Regie: Rune Denstad Langlo. Darsteller: Anders Baasmo Christiansen, Kyrre Hellum, Marte Auneme, Mads Sjøgård Pettersen, Lars Olsen, Astrid Solhaug, Even Vesterhaus, Ragnhild Vannebe
Der unter schweren Depressionen leidende Jomar lebt zurückgezogen in seiner Hütte und schlägt sich antriebslos als Liftwärter durch den Alltag. Den Kummer um seine verflossene Liebe und seine ruinierte Sportlerkarriere ersäuft er in Unmengen von Schnaps. Als er zu seiner Verblüffung erfährt, dass er Vater eines kleinen Jungen sein soll, macht er sich überstürzt mit dem Schneemobil auf in den hohen Norden, um seinen Sohn zu finden. Auf seiner kuriosen Reise durch die verschneite Schönheit Norwegens macht Jomar allerorten Bekanntschaft mit skurrilen und hochinteressanten Persönlichkeiten, die ihm ihre ganz eigenen Sorgen vor Augen führen und ihm dadurch neuen Lebensmut verleihen.
Ein ungewöhnliches Road Movie, das so richtig schön den stillen und manchmal depressiven Charme Skandinaviens vermittelt.
DIE UNFASSBAREN - NOW YOU SEE ME 3/10
Verfasst: 20.07.2015, 02:34
von Olmo
Frankreich, USA 2013 - Regie: Louis Leterrier. Darsteller: Jesse Eisenberg, Mark Ruffalo, Woody Harrelson, Mélanie Laurent, Isla Fisher, Dave Franco, Michael Caine, Morgan Freeman
Ein Unbekannter führt die vier Zauberkünstler J. Daniel Atlas (Eisenberg), Henley Reeves (Fisher), Jack Wilder (Franco) und Merritt McKinney (Harrelson) zusammen und vermarktet sie in Las Vegas in einer gigantischen Bühnenshow als ''Die vier Reiter''. Mit Hilfe scheinbar wahrer Magie erleichtern die Reiter während ihrer spektakulären Auftritte Banken und Versicherungen um Millionen und verteilen das Geld nach Robin-Hood-Manier unter das begeisterte Volk. Da der FBI-Ermittler Dylan Rhodes (Ruffalo) keine Beweise gegen die Vier vorzuweisen hat, nimmt er die Unterstützung durch den ehemaligen Magier Taddeus Bradley (Freeman) in Anspruch, der in seiner Fernsehshow die Tricks anderer Zauberer aufdeckt. Doch die Reiter sind Dylan stets einen Schritt voraus, was diesen vermuten lässt, jemand aus dem Ermittlerumfeld spiele den Zauberern Insiderinformationen zu.
Die Handlung ist ein einziger, desaströser Wirrwarr, der wild mit den geheimnisvollen Rätseln der Magie spielt. Die enttäuschende Auflösung ist frei von jeder Logik und ergibt nach allem Vorherigen auch überhaupt keinen Sinn. Die dämliche familiäre Enthüllung erinnert vielmehr an ein schlecht verfasstes Laienschauspiel, wo am Ende ein verschollener Erbonkel oder ein unerwarteter Zwilling auftauchen. Kaum zu glauben, wie man mit so hochkarätigen Darstellern wie Harrelson, Caine und Freeman eine solche Grütze produzieren kann. Der ganze Dilettantismus des Films manifestiert sich auch in einem Vorfall, bei dem Isla Fisher während einer Entfesselungsszene beinahe in einem Wassertank ertrunken wäre, weil die Crew ihr Klopfen an die Scheibe für einen Teil ihrer Rolle hielt.
DER GOTT DES GEMETZELS 9/10
Verfasst: 21.07.2015, 03:19
von Olmo
Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien 2011 - Regie: Roman Polanski. Darsteller: Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly
Nach einer folgenschweren Rauferei ihrer Söhne, der unter anderem ein Schneidezahn zum Opfer fiel, treffen sich die Eltern Penelope und Michael Longstreet (Foster, Reilly) sowie Nancy und Alan Cowan (Winslet, Waltz) zur Aussprache. Zunächst versucht man noch, die Angelegenheit konstruktiv und mit Anstand aus der Welt zu schaffen, doch schnell gerät man in Streit aufgrund kleinlicher Begrifflichkeiten. Mit zunehmendem Alkoholkonsum bröckelt nach und nach die biedere Fassade und die wahren Charakterzüge voller Doppelmoral, Gleichgültigkeit, Hass, Zynismus und unterdrückter Aggressionen treten zutage.
Ein geniales Kammerspiel, in dem vier großartige Schauspieler die ganze Bandbreite ihres Könnens in der ebenso humorvollen wie ekelhaften Darstellung ihrer Figuren ausleben dürfen. Amüsiert beobachtet man das bedauernswerte Schicksal der Protagonisten, die trotz aller Anstrengung nicht der beengten Hölle des Longstreetschen Wohnzimmers zu entfliehen vermögen - fast so ausweglos wie in Sartres ''Geschlossene Gesellschaft''.
ROTE LATERNE 6/10
Verfasst: 22.07.2015, 01:58
von Olmo
Cina, Hongkong, Taiwan 1991 - Regie: Zhang Yimou. Darsteller: Gong Li, He Saifei, Ma Jingwu, Cao Cuifen, Zhao Qi, Jin Shuyuan, Ding Weimin, Cao Zhengyin, Cui Zhihgang, Chu Xiao, Kong Lin
Nach dem Tod ihres Vaters muss die junge Songlian ihr Studium aufgeben und als vierte Ehefrau in den Haushalt eines reichen Mannes einheiraten. Der Alltag im herrschaftlichen Anwesen ist von uralten verknöcherten Traditionen geprägt und nur vordergründig herrscht Harmonie zwischen den vier Herrinnen. Hinter den Kulissen tobt ein erbittertes Intrigenspiel der Rivalinnen um die Gunst des Hausherrn und um den Genuss der damit verbundenen Privilegien. Auch Songlian buhlt erfolgreich um die Vorherrschaft im Haushalt, doch sie treibt ihr Spiel zu weit, reisst Unschuldige ins Verderben und zerbricht schließlich an den unerbittlichen Konventionen des Hauses.
Die wunderschöne Gong Li verkörpert glaubwürdig eine selbstbewusste und gebildete Frau, die sich letztendlich erfolglos gegen die unerschütterlichen Zwänge der Tradition aufzulehnen versucht. Vor großartiger Kulisse und mit detailverliebter Ausstattung wird eine Geschichte erzählt, die als Parabel darüber gilt, wie sich Menschen innerhalb eines unveränderlichen politischen Systems auf unterschiedliche Weise mit ihrem Schicksal abfinden, die Umstände zu ihrem Vorteil nutzen, sich gegen diese zur Wehr setzen oder an ihnen scheitern.
AMERICAN SNIPER 3/10
Verfasst: 23.07.2015, 19:12
von Olmo
USA 2014 - Regie: Clint Eastwood. Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller, Luke Grimes, Jake McDorman, Cory Hardrict, Kevin Lacz, Navid Negahban, Keir O'Donnell
Nach den verheerenden Bombenanschlägen auf amerikanische Botschaften in Afrika tritt der texanische Rodeoreiter Chris Kyle dem US-Militär bei und durchläuft die beinharte Ausbildung zum Navy SEAL. Kurz nach seiner Hochzeit wird er in den Irak versetzt, wo er fortan als Scharfschütze zum Schutz der Bodentruppen in großer Zahl nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder erschießt und von den Kameraden bald als ''Legende'' gefeiert wird. Die Jagd auf den Al-Qaida-Terroristen Abū Musʿab az-Zarqāwī und dessen ''Schlächter'', der reihenweise Kyles Truppen dezimiert, wird bald zur Besessenheit, so dass dieser zugunsten mehrerer langer Einsätze im Irak Frau und Kinder vernachlässigt und das friedliche Leben in den Staaten als befremdlich empfindet.
Entgegen aller Beschwichtigungen von Clint Eastwood strotzt sein Machwerk geradezu vor klebrigem Patriotismus und vor Rechtfertigung aller vom US-Militär ausgeübten Kriegshandlungen. Der Irak-Veteran Chris Kyle (1974-2013) gilt mit über 160 Tötungen als ''erfolgreichster'' Scharfschütze der US-Militärgeschichte. Sein heldenhafter Ruhm und sein tragischer Tod boten der Nation Gelegenheit, unter Tränen das Sternenbanner zu schwenken und dem Regisseur jede Menge Stoff für eine saubere Heldenbiographie. In unerträglicher Missachtung aller Wahrheiten wird der Irakkrieg wird als logische Konsequenz der Anschläge des 11. Septembers dargestellt, und der Protagonist zweifelt auch in keiner Weise die Richtigkeit und Notwendigkeit seines Handelns an. Der Feind ist natürlich durchweg böse und hintertrieben und muss zurecht gnadenlos zusammengeschossen werden. Und am Ende werden am Sarg stolze Reden gehalten, Salutschüsse abgegeben und gefaltete Flaggen an die Angehörigen der Helden verteilt. Ein derart blindwütig patriotisches Gemetzel war zuletzt bei ''Team America: World Police'' (2004) zu bestaunen, da allerdings als satirisches Marionettentheater unter dem Motto ''America - Fuck yeah!''.
SIN CITY 7/10
Verfasst: 24.07.2015, 14:13
von Olmo
USA 2005 - Regie: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino. Darsteller: Jessica Alba, Devon Aoki, Alexis Bledel, Powers Boothe, Rosario Dawson, Benicio del Toro, Michael Clarke Duncan, Carla Gugino, Josh Hartnett, Rutger Hauer, Jaime King, Michael Madsen, Brittany Murphy, Clive Owen, Mickey Rourke, Nick Stahl, Bruce Willis, Elijah Wood
Drei unterschiedliche Episoden erzählen von der Gewalt, der Korruption und dem allgegenwärtigen Tod, welche die ''Sin City'' genannte Stadt beherrschen. Der Polizist John Hartigan (Willis) rettet die kleine Nancy aus den Fängen eines Kinderschänders (Stahl). Weil sich dieser als Sohn des mächtigen Senators Roark (Boothe) entpuppt und die Angelegenheit verschwiegen werden soll, wird Hartigan selbst des Missbrauchs beschuldigt und landet im Gefängnis. Goldie (King), die Angebetete des Ex-Sträflings Marv (Rourke) wird von einem kannibalistischen Serienmörder (Wood) getötet. Marvs Rachefeldzug ist unerbittlich und verschont auch nicht Kardinal Roark (Hauer), den einflussreichen Bruder des Senators. Dwight McCarthy (Owen) hilft den Prostituierten von Oldtown um seine Geliebte Gail (Dawson), den versehentlichen Mord an dem Polizisten Jack Rafferty (del Toro) zu vertuschen, mit dem ein altes Abkommen zwischen den Frauen von Oldtown und der Polizei gebrochen wurde.
Die optisch großartig inszenierte Comic-Adaption geizt nicht mit blutigen Details der schlimmsten Sorte. Da fliegen die Köpfe was das Zeug hält, Gliedmaßen werden entfernt und den Wölfen zum Fraß vorgeworfen, oder aber man reißt die Genitalien mit bloßer Hand aus dem Unterleib. Mickey Rourke feiert mit beeindruckender Maskerade ein grandioses Comeback, und Elijah Wood kann sich als brutaler Killer von seinem braven ''Frodo''-Image lösen.
NOVA ZEMBLA 4/10
Verfasst: 28.07.2015, 00:46
von Olmo
Niederlande 2011 - Regie: Reinout Oerlemans. Darsteller: Derek de Lint, Victor Reinier, Jochum van der Woude, Juda Goslinga, Bas Keijzer, Herman Egbers, Arjan Duine, Mads Wittermans, Arend Brandligt, Semmy Schilt, Teun Kuilboer, Robert de Hoog, Doutzen Kroes, Jan Decleir
Eine Expedition um Entdecker Willem Barents (de Lint), Kapitän Jacob van Heemskerk (Reinier) und Schiffsschreiber Gerrit de Veer (de Hoog) soll für die aufstrebende Handelsmacht der Niederlande einen Seeweg nach Indien durch das Nordpolarmeer finden. Doch bereits an der Insel Novaya Zemlya wird das Schiff von den Eismassen eingeschlossen und die Mannschaft muss in einer notdürftigen Unterkunft an Land um ihr Überleben kämpfen.
Nun wollen also auch die Holländer endlich mal im Stile moderner Historienspektakel wie ''Elizabeth'' (1998), ''Henri 4'' (2010) oder ''Die Päpstin'' (2009) ihre großen Helden der Geschichte ehren. Eigentlich bieten die Ereignisse um die ambitionierte letzte Expedition des Willem Barents und deren grausiges Scheitern im unerbittlichen arktischen Winter genug Stoff für einen spannenden Abenteuerfilm. Doch anstatt die Schrecken der Natur und das Sterben auf der eisigen Insel im Nordmeer zu thematisieren, verheddert man sich in langweiligen Geplänkeln innerhalb der Schiffbesatzung und in einer klebrigen Liebesgeschichte. Keine angemessene Würdigung also für die Qualen und Verluste der Arktisexpedition.
WARM BODIES 7/10
Verfasst: 29.07.2015, 18:22
von Olmo
USA 2013 - Regie: Jonathan Levine. Darsteller: Nicholas Hoult, Teresa Palmer, Rob Corddry, Dave Franco, Analeigh Tipton, Cory Hardrict, John Malkovich
''R'' (Hoult) ist anders als seine hirnlosen Zombie-Kollegen, die knurrend und ziellos durch das Flughafengebäude schlurfen. Er macht sich Gedanken über sein Untoten-Dasein und darüber, wie es früher war. Er entwickelt sogar Gefühle für die noch menschliche Julie (Palmer), die er bei einem Zombie-Überfall rettet und vor den anderen Hirnfressern in einem Flugzeug versteckt. Julie erkennt Rs seltsame Natur, der sich nach und nach in einen Menschen zurückverwandelt. Gefahr droht beiden durch die unappetitlichen ''Bonies'' und durch Julies Vater (Malkovich), der sich nicht um Zombie-Gefühle schert und ihnen lieber eine Kugel durch den Kopf jagen will.
Eine äußerst skurrile Romeo-und-Julia-Adaption mit wandelnden Leichen. Nicholas Hoult und vor allem Rob Corddry verkörpern die Wiedergänger in ungeahnt bemitleidenswerter und sympathischer Weise.
HOTEL LUX 4/10
Verfasst: 31.07.2015, 15:52
von Olmo
Deutschland 2011 - Regie: Leander Haußmann. Darsteller: Michael Bully Herbig, Jürgen Vogel, Thekla Reuten, Valery Grishko, Alexander Senderovich, Juraj Kukura, Thomas Thieme, Gennadi Vengerov, Josef Ostendorf, Sebastian Blomberg, Sibylle Canonica, Axel Wandtke, Steffi Kühnert, Robert Dölle, Daniel Wiemer, Matthias Brenner, Friedrich-Karl Praetorius, Johann Adam Oest, Uwe-Dag Berlin
Anfang der Dreißiger Jahre treten Hans Zeisig (Herbig) und Siggi Meyer (Vogel) erfolgreich als Imitatoren von Josef Stalin und Adolf Hitler am Berliner Varieté auf. Siggi ist überzeugter Kommunist und muss bald darauf fliehen, Zeisig dagegen träumt von einer großen Karriere in Hollywood. Auch Zeisig fällt mit seinen Imitationen bei den Nazis in Ungnade und entkommt mit den Papieren eines ''Jan Hansen'' nach Moskau. Im dortigen ''Hotel Lux'' trifft er neben zahlreichen prominenten Exilanten wie Herbert Wehner (Wiemer) oder Walter Ulbricht (Wandtke) auch seine ehemalige große Liebe Frida (Reuten) wieder. Während die ''Große Säuberung'' auch vor den angeblich befreundeten Dissidenten im Hotel Lux nicht Halt macht, wird Zeisig zum persönlichen Vertrauten Josef Stalins (Grishko), weil dieser ihn fälschlicherweise für Hitlers Leibastrologen hält.
Leander Haußmanns Satire beginnt vielversprechend mit der schrittweisen politischen Einflussnahme auf das zunächst regimekritische Berliner Varieté und seine bissigen Bühnennummern. Jedoch bleibt alle angestrebte Ironie über die politischen Ereignisse der Zeit auf halbem Weg stecken, die widerwärtigen regimefreundlichen Juden-Imitationen im Theater werden ebenso nur harmlos angedeutet wie die Schrecken von Stalins Säuberungsaktionen. So wirken auch Herbig und Vogel in ihren Figuren unglaubwürdig und beschreiben nur unzureichend das Schicksal des hilflosen Protagonisten angesichts der grauenhaften Geschehnisse.
SELMA 6/10
Verfasst: 03.08.2015, 00:52
von Olmo
Großbritannien, USA 2014 - Regie: Ava DuVernay. Darsteller: David Oyelowo, Tom Wilkinson, Carmen Ejogo, André Holland, Giovanni Ribisi, Lorraine Toussaint, Stephan James, Wendell Pierce, Common, Alessandro Nivola, Lakeith Lee Stanfield, Cuba Gooding Jr., Dylan Baker, Tim Roth, Oprah Winfrey
Obwohl ihnen längst das Wahlrecht gewährt wurde, werden viele Schwarze im Süden durch gemeine Schikanen an der Registrierung in die lokalen Wählerverzeichnisse gehindert. Während der frischgebackene Nobelpreisträger Martin Luther King (Oyelowo) bei Präsident Lyndon B. Johnson (Wilkinson) vergeblich für das Verbot solcher Schikanen eintritt, formiert sich im kleinen Selma in Alabama ein vielbeachteter gewaltfreier Protest gegen die immer noch allgegenwärtige Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung. Die friedlichen Aufmärsche werden von der örtlichen Polizei allerdings mit brutaler Härte niedergeschlagen.
Die Ereignisse um die Protestmärsche von Selma 1965 werden sehr ausführlich und unpathetische beschrieben. Die blutige Niederschlagung der Kundgebungen durch die radikalen Polizeikräfte wurde schon damals zum Entsetzen der Zuschauer durch Fernsehkameras dokumentiert und ist auch im Film beeindruckend umgesetzt. Ansonsten ist das Historiendrama aber arm an Höhepunkten und legt eher Wert auf die detaillierte Darstellung der Vorkommnisse. Die Hauptfigur Martin Luther King wird dabei nicht als Heilsbringer, sondern als oftmals zweifelnder und zögernder Held mit allerhand Schwächen dargestellt.