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HEIMAT - EINE DEUTSCHE CHRONIK 9/10

Verfasst: 27.09.2015, 20:13
von Olmo
Deutschland 1984 - Regie: Edgar Reitz. Darsteller: Marita Breuer, Michael Lesch, Dieter Schaad, Jörg Hube, Frank Kleid, Jörg Richter, Peter Harting, Gudrun Landgrebe, Gertrud Bredel, Willi Burger, Eva Maria Schneider, Rüdiger Weigang, Karin Rasenack, Arno Lang, Eva-Maria Bayerwaltes, Karin Kienzler, Rolf Roth, Markus Reiter, Matthias Kniesbeck, Sabine Wagner, Theo Pfeifer, Ingo Hoffmann, Roland Bongard, Michael Kausch, Johannes Lobewein, Hans-Jürgen Schatz, Kurt Wagner, Gabriele Blum, Johannes Metzdorf, Alexander Scholz, Manfred Kuhn, Helga Bender, Joachim Bernhard

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Paul Simon (Lesch) kehrt aus dem Ersten Weltkrieg in die Schmiede seiner Eltern Mathias (Burger) und Katharina (Bredel) im Hunsrückdorf Schabbach zurück. Der technikbegeisterte Träumer heiratet die Bürgermeistertochter Maria (Breuer), welche die gemeinsamen Söhne Anton und Ernst zur Welt bringt. Doch Paul verlässt eines Tages ohne Abschied Familie und Dorf, woraufhin Maria die Kinder alleine großzieht und trotz aller Entbehrungen dafür sorgt, dass es ihnen an nichts mangelt. Während Anton und Ernst im Krieg sind, verliebt sich Maria in Otto Wohlleben (Hube), den Bauleiter der Hunsrückhöhenstraße und wird Mutter des ''Hermännsche''. Nach dem Krieg baut sich Anton (Kniesbeck) mit einer optischen Fabrik erfolgreich eine Existenz auf, während Ernst (Kausch) mit seinen ambitionierten Vorhaben regelmäßig scheitert, und Hermann (Richter) verliebt sich unglücklich in das viel ältere Klärchen (Landgrebe) und verlässt Schabbach schließlich für immer. Auch Paul (Schaad) besucht immer mal wieder die Heimat, nachdem er in den Vereinigten Staaten zum erfolgreichen Geschäftsmann wurde und unterstützt Antons und Hermanns Karrieren.
Edgar Reitz beschreibt mit seinem fulminanten Hunsrück-Epos nicht nur die Geschichte seiner Heimat, sondern die deutsche Geschichte im allgemeinen mit all ihren Auswirkungen auf die Dorfgemeinschaft und die Familien. Dabei wird das Landleben aber keineswegs romantisch verklärt, sondern ebenso gnadenlos wie poetisch mit all seinen Licht- und Schattenseiten dargestellt. Auf die Goldenen Zwanziger folgt der verheißungsvolle Aufstieg der Nationalsozialisten, auf Entbehrung und Tod im Zweiten Weltkrieg folgt das aufregende Wirtschaftswunder, aber auch im Zuge des Modernisierungswahns der gnadenlose Ausverkauf der Heimat und ihrer Reichtümer, was in den Folgejahrzehnten wiederum eine Rückbesinnung auf das heimatliche Erbe und dessen Traditionen hervorruft. Viele der Einwohner Schabbachs erinnern an Personen, die man aus Erzählungen der eigenen Familiengeschichte kennt: der unsympathische neureiche Emporkömmling, der unbedingt das erste Auto im Dorf fahren muss - die rücksichtslosen Opportunisten, die sich den Nazis anbiedern, um die soziale Leiter emporzuklettern - die resolute Bewahrerin der Moral, die sich von der Obrigkeit nicht einschüchtern lässt - der fleißige Betriebsgründer, dem sich das ganze Dorf unterordnen soll - der unangepasste Träumer, der an der Enge der dörflichen Gesellschaft erstickt - und schließlich die Mutter, die zufrieden ihr bescheidenes Leben führt und letztendlich den stützenden Mittelpunkt für die auseinanderstrebende Familie darstellt.

BLOWN APART 2/10

Verfasst: 28.09.2015, 16:45
von Olmo
Großbritannien 2008 - Regie: Sharon Maguire. Darsteller: Michelle Williams, Ewan McGregor, Matthew Macfadyen, Nicholas Gleaves, Sidney Johnston, Usman Khokhar

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Eine junge Mutter (Williams) führt mit ihrem Mann Lenny (Gleaves) und ihrem kleinen Sohn (Johnston) ein bescheidenes, aber eigentlich zufriedenstellendes Leben im Londoner East End. Lenny ist als Experte für Sprengmittelbeseitigung oft außer Haus und die gelangweilte Mutter beginnt eine Affäre mit dem Journalisten Jasper Black (McGregor). Inmitten eines ihrer wilden Sexspiele zündet ein Selbstmordattentäter im nahegelegenen Fußballstadion eine Bombe, die auch Lenny und den gemeinsamen Sohn in den Tod reißt. Während Jasper herausfindet, dass die Polizei den Anschlag trotz eindeutiger Informationen bewusst in Kauf genommen hat, schreibt die traumatisierte Mutter therapeutische Briefe an Osama bin Laden, in denen sie die Sinnlosigkeit der Tat beklagt und schließlich kämpferisch ihre Auferstehung und die Unzerstörbarkeit Londons ankündigt.
Eine widerliche Geschichte, in der die Schlampe von Mutter das Familienglück in ekelerregender Weise zerstört, sich hernach aber als Opfer gebart. Alle haben Schuld an ihrem traurigen Schicksal: der Mann, der nie zuhause ist, der Liebhaber, der sie verführt hat, die Polizei, der Attentäter, Osama bin Laden - nur sie selbst nicht. Und am Ende feiert sie ihr wiedererstarktes Selbst, legt den Tod von Mann und Kind zu den Akten und ist dabei auch noch schwanger von ihrem Bettgenossen. Soviel kann man gar nicht essen, wie man da auskotzen möchte.

DIE AUSGESPERRTEN 5/10

Verfasst: 02.10.2015, 14:40
von Olmo
Österreich 1982 - Regie: Franz Novotny. Darsteller: Paulus Manker, Ursula Knobloch, Karl Kröpfl, Alexandra Curtis, Rudolf Wessely, Emmy Werner, Emanuel Schmied, Gerhard Steffen, Toni Böhm

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Als Reaktion auf die Tyrannei seines Vaters (Wessely) und der Bevormundung durch seine Mutter (Werner) schart der Gymnasiast Peter (Manker) eine anarchistische Gruppe von Schulkameraden um sich, mit denen er sich gegen das Establishment auflehnt und seine Aggressionen auslebt. Was harmlos mit kleinen Mutproben, aufmüpfigem Verhalten in der Öffentlichkeit und sexuellen Freizügigkeiten beginnt, artet bald in brutalen und rücksichtslosen Gewaltorgien aus.
Schonungslose Verfilmung des Romans von Elfriede Jelinek, welche die Paradoxie aufzeigt zwischen der zwanghaften Auflehnung einer Nachkriegsjugend gegen die nationalsozialistisch geprägte Elterngeneration, deren Herrenrassenphantasien sie aber gleichzeitig mit unverminderter Brutalität fortführt. Die gefühllose und mechanische Ausübung der Gewaltakte erinnert an zwei ähnliche spätere Werke des österreichischen Kinos: ''Benny's Video'' (1992) und ''Funny Games'' (1997), beide von Michael Haneke.

JOHN WICK 7/10

Verfasst: 03.10.2015, 21:03
von Olmo
China, Kanada, USA 2014 - Regie: David Leitch, Chad Stahelski. Darsteller: Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, Adrianne Palicki, Bridget Moynahan, Dean Winters, Lance Reddick, Toby Moore, Ian McShane, John Leguizamo, Willem Dafoe

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John Wick (Reeves) trauert um seine Frau, die nach langer schwerer Krankheit verstorben ist. Als letztes Andenken ist ihm ein kleiner Hundwelpe geblieben, dem er nun seine ganze Liebe angedeihen lässt, bis eines Nachts der russische Gangster Iosef Tarasov (Allen) mit seinen Kumpanen im Haus steht. John wird niedergeschlagen, der Welpe getötet und sein wertvoller Ford Mustang gestohlen. Tarasov ahnt nicht, mit wem er sich da angelegt hat, denn John Wick ist ein ehemals gefürchteter Auftragskiller, der einst in Diensten von Tarasovs Vater Viggo (Nyqvist) stand und diesem erst zu seiner jetzigen Herrschaft über die Syndikate verholfen hat. Trotz Sympathien für seinen einstigen Mitstreiter muss Viggo seinen Sohn vor John beschützen, der ohnehin nichts mehr zu verlieren hat und einen brutalen und unbarmherzigen Rachefeldzug beginnt.
Nicht nur auf Viggo wirkt Johns schießwütige Vergeltungsorgie angesichts eines toten Hundes und eines gestohlenen Wagens lächerlich übertrieben. Die surreale Parallelwelt, in der die Auftragskiller in einem eigenen Hotel mit speziellem Kodex wohnen und mit riesigen Goldmünzen bezahlen ist dagegen saukomisch und macht das Ganze zu einer unterhaltsamen Parodie.

DIE ENTDECKUNG DER UNENDLICHKEIT 6/10

Verfasst: 05.10.2015, 00:15
von Olmo
Großbritannien 2014 - Regie: James Marsh. Darsteller: Eddie Redmayne, Felicity Jones, Charlie Cox, Emily Watson, Simon McBurney, David Thewlis, Maxine Peake, Harry Lloyd

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Dem hochbegabten Physikstudenten Stephen Hawking (Redmayne) scheint die ganze Welt offenzustehen. In Cambridge ragt er unter seinen Kommilitonen heraus und zur Freude seiner Professoren entwickelt er bahnbrechende Gedanken zur Kosmologie und zum Anbeginn der Zeit. Zudem verliebt er sich in die Sprachwissenschaftlerin Jane (Jones), die fasziniert von Hawkings außergewöhnlichem Verstand ist. Doch alle Zukunftspläne werden zerschlagen, als bei Stephen eine Motoneuron-Erkrankung diagnostiziert wird und man ihm nur noch zwei Jahre zu leben gibt. Die hartnäckige Jane kann Stephen aus seiner Depression reißen und heiratet ihn bald darauf. Trotz des zunehmenden körperlichen Verfalls arbeitet Hawking verbissen an seinen revolutionären Theorien und gelangt damit zu Weltruhm.
Der Film basiert auf den Memoiren Jane Hawkings und legt optisch und inhaltlich sehr viel Wert auf Authentizität. Die unschönen Episoden der Biographie werden keineswegs ausgeklammert und Eddie Redmayne verkörpert das Genie und seine immer schlimmer werdenden physischen Einschränkungen in brillanter Weise.

LIEBE 8/10

Verfasst: 05.10.2015, 14:45
von Olmo
Deutschland, Frankreich, Österreich 2012 - Regie: Michael Haneke. Darsteller: Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert

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Die lebensfrohe ehemalige Klavierlehrerin Anne (Riva) ist nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt und von einem Tag auf den anderen auf Pflege angewiesen. Ihr Ehemann Georges (Trintignant) kümmert sich liebevoll um sie und erledigt alles Notwendige. Anders als für die gemeinsame Tochter Eva (Huppert), die im Ausland lebt und die Eltern ohnehin nur selten zu Gesicht bekommt, ist es für Georges undenkbar, seine Frau ins Pflegeheim abzuschieben. Anfangs gelingt ihm der Pflegealltag auch ohne Mühe, doch mit zunehmender Verschlechterung von Annes Zustand wird das Ganze zu einer enormen körperlichen und psychischen Belastung.
Eine wunderschöne, wenn auch tragische Geschichte. Zwei großartige Schauspiellegenden verkörpern das gealterte Liebespaar in eindrucksvoller Weise. Besonders Emmanuelle Riva begeistert dabei durch ihre Verwandlung von einer fröhlichen und kultivierten Seniorin zu einem sabbernden und brabbelden Pflegefall. Unverblümt und ohne etwas zu beschönigen werden die Herausforderungen der Pflegebedürftigkeit mit all ihren ''Schrecken'' dargestellt. Diesen Schrecken wird durch die liebevolle Hingabe von Georges und den Pflegekräften aber auch gleichzeitig die Brisanz genommen und bei aller Misere keimt dabei zumindest zeitweise ein wenig Hoffnung auf.

CLEOPATRA 6/10

Verfasst: 06.10.2015, 18:06
von Olmo
Großbritannien, Schweiz, USA 1963 - Regie: Joseph L. Mankiewicz, Rouben Mamoulian, Darryl F. Zanuck. Darsteller: Elizabeth Taylor, Richard Burton, Rex Harrison, Pamela Brown, George Cole, Hume Cronyn, Cesare Danova, Kenneth Haigh, Andrew Keir, Martin Landau, Roddy McDowall, Robert Stephens

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Nach seinem vernichtenden Sieg über den Widersacher Pompeius kommt Julius Caesar (Harrison) nach Ägypten, wo ebenso wie in Rom ein Kampf um die Vorherrschaft entbrannt ist. Um ihren Anspruch auf den Thron gegen ihren Bruder Ptolemaios durchzusetzen verbündet sich Cleopatra (Taylor) mit Caesar, der ihr im Austausch gegen die Reichtümer Ägyptens zur alleinigen Königswürde verhilft und sich mit ihr vermählt. Zusammen mit dem gemeinsamen Sohn Caesarion wird Cleopatra triumphal in Rom empfangen. Der römische Senat jedoch sieht seine Befürchtungen der Errichtung einer Königsdynastie bestätigt und ermordet Caesar. Um die Nachfolge wird ein erneuter Bürgerkrieg im Römischen Reich entfacht, bei dem sich Caesars Neffe Octavian (McDowall) und der Feldherr Marcus Antonius (Burton) gegenüberstehen. Der militärisch geschwächte Antonius muss sich nun ebenfalls mit Cleopatra verbünden, die ihm aber nur im Gegenzug zu horrenden Gebietsansprüchen ihre Unterstützung gewähren will.
Das Monumentalwerk galt bis zum Erscheinen von ''Avatar - Aufbruch nach Pandora'' (2009) als teuerster Film aller Zeiten und brachte die Produktionsfirma 20th Century Fox an den Rand des finanziellen Ruins. Dennoch erwies sich der Film als äußerst profitabel, wenn auch die Handlung sehr oberflächlich, die schauspielerische Leistung mäßig und die historischen Ungereimtheiten und Fehler teilweise grausam sind. Dagegen sind die gigantischen Monumentalszenen auch heute noch absolut atemberaubend. Tausende Statisten wuseln da zur gleichen Zeit bis zum Horizont über die Leinwand, wo man es heutzutage nur noch mit unnatürlichem und unscharfem CGI-Scheiß zu tun hat.

MORTDECAI - DER TEILZEITGAUNER 3/10

Verfasst: 08.10.2015, 03:01
von Olmo
Großbritannien 2015 - Regie: David Koepp. Darsteller: Johnny Depp, Gwyneth Paltrow, Ewan McGregor, Olivia Munn, Jeff Goldblum, Paul Bettany, Jonny Pasvolsky, Guy Burnet, Ulrich Thomsen, Michael Culkin, Michael Byrne, Paul Whitehouse

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Anstatt der Forderung seiner Gattin Johanna (Paltrow) zu folgen und seine immensen Steuerschulden mit der Versteigerung seiner liebgewonnenen Kunstschätze zu begleichen, will der chronisch abgebrannte Kunsthändler Lord Mortdecai (Depp) seine magere Finanzlage lieber mit Gaunereien und zweifelhaften Geschäften aufbessern, gerät dabei aber regelmäßig in haarsträubende Situationen, aus denen ihn sein getreuer Diener Jock (Bettany) nur unter großen Opfern befreien kann. Wie gerufen kommt da ein profitabler Auftrag von Inspector Martland (McGregor) vom MI5, ein verschollenes Goya-Gemälde ausfindig zu machen, auf dessen Rückseite Hermann Göring persönlich die Nummer seines Schweizer Bankkontos notiert haben soll. Außer Mortdecai begibt sich aber auch eine ganze Horde skrupelloser Kunstliebhaber auf die Jagd nach dem Meisterwerk.
Alles andere als ein Meisterwerk ist dieser unrühmliche Schwachsinn, auf den sich Johnny Depp und die anderen Protagonisten da eingelassen haben. Die ohnehin dämliche und völlig unlustige Handlung ist zu allem Übel auch noch mit niederstem Kotz- und Würghumor angefüllt. Während Johnny Depp sich darstellerisch immer weiter der Apokalypse seiner Karriere zu nähern scheint, erweist sich Ewan McGregor als unfassbar schmieriger und hochnäsiger Inspektor als wahres Highlight. Der sprachliche Vergleich zeigt außerdem, dass so mancher ''Gag'' in der deutschen Synchronisation wesentlich besser gelungen ist als im Original.

DIE ZWEITE HEIMAT - CHRONIK EINER JUGEND 10/10

Verfasst: 11.10.2015, 14:42
von Olmo
Deutschland 1992 - Regie: Edgar Reitz. Darsteller: Henry Arnold, Salome Kammer, Anke Sevenich, Noemi Steuer, Daniel Smith, Gisela Müller, Michael Seyfried, Armin Fuchs, Martin Maria Blau, Hannelore Hoger, Franziska Stömmer, Michael Schönborn, Lena Lessing, Peter Weiß, Frank Röth, László I. Kish, Susanne Lothar, Adolf Rüdiger, Franziska Traub, Michael Stephan, Hanna Köhler, Edith Behleit, Kurt Weinzierl, Veronica Ferres, Irene Kugler, Hannes Demming, Tana Schanzara, Eva Maria Schneider, Eva-Maria Bayerwaltes, Anna Thalbach, Carolin Fink, Alexander May, Thomas Kylau, Marinus Georg Brandt, Johanna Bittenbinder, Alfred Edel, Manfred Andrae

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1960 verlässt Hermann Simon (Arnold) die erdrückende Enge der Hunsrücker Provinz, um in München Musik zu studieren. Der anfänglichen Euphorie über den Glanz der Großstadt folgt angesichts der Wohnungsnot und des elitären Gebarens an der Hochschule schnell Ernüchterung. Dennoch will sich Hermann dem städtischen Leben anpassen und legt nach und nach alles Provinzielle ab, einschließlich seines heimatlichen Akzents. Es bildet sich ein Freundeskreis aus Künstlern aller Art, der sich im ''Fuchsbau'', der herrschaftlichen Villa der Verlegerstochter Cerphal (Hoger) allabendlich trifft, um zu musizieren, zu philosophieren, zu diskutieren, zu träumen, zu lieben und zu leiden. Entgegen aller jugendlichen Schwüre, nie wieder lieben zu wollen, wird auch Hermann in zahlreiche Romanzen verstrickt, vor allem zu der Cellistin Clarissa (Kammer) entwickelt sich eine tragische Liebesbeziehung. Letztendlich heiratet er dann aber doch das ''Schnüßchen'' (Sevenich), das aus demselben Hunsrückdorf stammt. Im Laufe der ereignisreichen Sechziger Jahre verliert sich der Freundeskreis immer weiter aus den Augen, nur wenige können im Leben Fuß fassen und die meisten Träume werden ebenso wie der ''Fuchsbau'' dem Erdboden gleichgemacht.
Im zweiten Teil seiner Hunsrück-Trilogie beschreibt Edgar Reitz das vermeintlich süße Studentenleben seiner eigenen Jugendjahre. Zwar wird der künstlerische Freigeist, das wilde Leben und die wohlige Wärme des Freundeskreises durchaus verklärt, doch die Studentenunruhen, die ideologischen Grabenkämpfe, die Gefühlswirren und der Übergang zur familiären Spießigkeit zerstückeln das Ganze gleichzeitig auch wieder. Ähnlich wie in ''Heimat - Eine deutsche Chronik'' treten die politischen Ereignisse nur am Rande in Erscheinung und haben auf den Alltag der Protagonisten auch meist nur wenig Einfluss. Stattdessen wird in grandioser Erzählweise durchgehend auf die Gesamtentwicklung des Freudeskreises Bezug genommen, während in jeder der 13 Episoden auch noch in wunderschön poetischen Szenen auf die Biographie der Einzelpersonen eingegangen wird mit all ihrem familiären Ballast, ihren gescheiterten Träumen und ihrem tragischen Schicksal.

96 HOURS 7/10

Verfasst: 12.10.2015, 21:47
von Olmo
Frankreich, Großbritannien, USA 2008 - Regie: Pierre Morel. Darsteller: Liam Neeson, Maggie Grace, Leland Orser, Jon Gries, David Warshofsky, Holly Valance, Katie Cassidy, Xander Berkeley, Olivier Rabourdin, Gérard Watkins, Famke Janssen

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Der Geheimagent Bryan Mills (Neeson) hat sich vorzeitig in den Ruhestand versetzen lassen, um mehr Zeit mit seiner Tochter Kim (Grace) verbringen zu können, die bei seiner Ex-Frau Lenore (Janssen) lebt. Kurz nach ihrem 17. Geburtstag reist Kim trotz großer Bedenken des Vaters mit einer Freundin nach Paris. Die Sorgen des Vaters waren berechtigt, denn schon am ersten Tag werden die Mädchen von Unbekannten verschleppt. Mills wird am Telefon Zeuge der Entführung und erhält so zahlreiche Hinweise auf die Täter, die offenbar einem albanischen Menschenhändlerring angehören. Er eilt nach Paris, wo er seine seine ganze Geheimdiensterfahrung und seine kämpferischen Fähigkeiten benötigt, um Kim zu befreien.
Ansprechende Action mit einem exzellenten Hauptdarsteller. Die Inszenierung ist rasant und brutal und lässt der Hauptfigur auf seinem Rachefeldzug mit Blutorgie und rücksichtsloser Folter unerwartet freien Lauf.

96 HOURS - TAKEN 2 5/10

Verfasst: 13.10.2015, 14:30
von Olmo
Frankreich 2012 - Regie: Olivier Megaton. Darsteller: Liam Neeson, Maggie Grace, Famke Janssen, Leland Orser, Jon Gries, D. B. Sweeney, Luke Grimes, Rade Šerbedžija

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Die Angehörigen der albanischen Gangster, die für die Entführung seiner Tochter Kim (Grace) in Paris von Geheimagent Bryan Mills (Neeson) grausam zur Rechenschaft gezogen wurden, schwören auf Veranlassung des Patriarchen Hoxha (Šerbedžija) Blutrache. Die Jagd wird in Istanbul eröffnet, wo sich Mills mit Tochter und Ex-Frau Lenore (Janssen) gerade aufhält. Die Eltern werden verschleppt, Kim kann jedoch untertauchen und dem Vater zur Flucht verhelfen. Von nun an kann Mills die Befreiung Lenores mit der gleichen Unerbittlichkeit wie zuvor in Paris betreiben.
Solide Action, die wie schon der erste Teil nicht mit ausführlicher Gewaltdarstellung geizt. Die wilden Kampf- und Ballerszenen und die rasanten Verfolgungsfahrten sind zwar brillant inszeniert, dennoch bietet die Geschichte nicht viel Neues und wiederholt eigentlich nur die Handlung des ersten Films.

HEIMAT 3 - CHRONIK EINER ZEITENWENDE 5/10

Verfasst: 14.10.2015, 14:51
von Olmo
Deutschland 2004 - Regie: Edgar Reitz. Darsteller: Salome Kammer, Henry Arnold, Michael Kausch, Matthias Kniesbeck, Christian Leonard, Constance Wetzel, Nicola Schößler, Patrick Maier, Larissa Iwlewa, Victor Nemtschenko, Uwe Steimle, Heiko Senst, Tom Quaas, Peter Schneider, Julia Prochnow, Peter Götz, Karen Hempel, Andreas Külzer, Jutta Altmeyer, Birgit Nitze, Ingo Lang, Antje Brauner, Edith Behleit, Karl-August Dahl, Bertold Korner, Christel Schäfer, Frank Wünsche, Caspar Arnhold, Kersten Hanke

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Am Tage des Mauerfalls begegnet Hermann Simon (Arnold) in Berlin nach Jahren seiner großen Jugendliebe Clarissa (Kammer) wieder. Die beiden kaufen das baufällige ''Günderrode-Haus'' am Rhein in unmittelbarer Nähe zu Hermanns Heimatort Schabbach. Hermanns Bruder Anton (Kniesbeck), der gesundheitlich angeschlagene Dorfpatriarch, hält verbissen an seiner Macht fest, weil er zurecht befürchtet, dass seine Nachfolger sein hart erarbeitetes Erbe zugrunde richten werden. Der andere Bruder Ernst will seine über Jahrzehnte zusammengetragene Gemäldesammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen und plant einen prestigeträchtigen Museumsbau in einem stillgelegten Schieferbergwerk.
Leider kann der letzte Teil der ''Heimat''-Trilogie in keiner Weise an die vorherigen Teile anknüpfen. Viel zu sehr wird das Weltgeschehen der Neunziger Jahre in den Vordergrund gerückt, das Alltägliche geht dabei völlig unter. Die Figuren sind klischeehaft und ohne jeden Tiefgang, ihre Charakterisierung bleibt oberflächlich, einige Figuren durchlaufen gar einen extremen und unglaubwürdigen Charakterwandel, was allerdings durchaus typisch für die ''Heimat''-Filme ist. Aber die gewohnten Momente der Wärme und Heimeligkeit fehlen völlig. Es wird ein viel zu düsteres Bild der Gegenwart gezeichnet, in der die jüngere Generation zu Totengräbern aller Traditionen erklärt wird und in der offenbar alles heimatliche durch äußere Einflüsse wie den Zuzug von Spätaussiedlern vernichtet wird. Doch gerade dieses verkrampfte Festhalten an der guten alten Zeit kann das Bewusstsein für die Heimat zerstören, die seit jeher einem stetigen Wandel unterworfen ist.

96 HOURS - TAKEN 3 6/10

Verfasst: 15.10.2015, 12:45
von Olmo
Frankreich 2014 - Regie: Olivier Megaton. Darsteller: Liam Neeson, Forest Whitaker, Famke Janssen, Maggie Grace, Dougray Scott, Sam Spruell, Leland Orser, Jon Gries, David Warshofsky, Andrew Howard, Dylan Bruno, Don Harvey, Jonny Weston

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Bryan Mills (Neeson) kommt nicht zur Ruhe und beklagt sich zurecht: ''Why are they always taking my shit?''. Unbekannte haben seine Ex-Frau Lenore (Janssen) in seinem Haus ermordet und wollen ihm die Tat anhängen. Er flieht vor den Polizeibeamten um den ermittelnden Inspektor Franck Dotzler (Whitaker) und sammelt Beweise für seine Unschuld. Anscheinend wurde Lenore Opfer des skrupellosen russischen Gangsters Malankov (Spruell), dem Lenores jetziger Ehemann Stuart (Scott) eine große Menge Geld schuldete.
Auch der dritte ''Taken''-Film bleibt der gewohnten Linie mit brutalen Kampfsequenzen und zerstörerischen Verfolgungsjagden treu. Da sich die Geschichte diesmal von dem abgenutzen Schema tragische Entführung-blutige Befreiung deutlich unterscheidet, ist das Ergebnis durchaus sehenswert und lässt sogar Platz für weitere Fortsetzungen.

ST. VINCENT 6/10

Verfasst: 16.10.2015, 14:49
von Olmo
USA 2014 - Regie: Theodore Melfi. Darsteller: Bill Murray, Melissa McCarthy, Naomi Watts, Chris O'Dowd, Terrence Howard, Jaeden Lieberher

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Vincent MacKenna (Murray) erscheint nach außen als grantiger Menschenhasser, der ständig betrunken ist, sein ganzes Geld mit Pferdewetten verjubelt und die Nächte mit Nutten wie Daka (Watts) verbringt. Ausgerechnet ihm muss die alleinerziehende Maggie (McCarthy) ihren Sohn Oliver (Lieberher) zum Babysitten überlassen, weil sie aufgrund ihrer Tätigkeit als Radiologieassistentin oft erst spät nach Hause kommt. Im Laufe ihrer gemeinsamen Zeit bringt Vincent seinem Schützling bei, wie es im Leben läuft. Er nimmt ihn mit zur Pferderennbahn und zeigt ihm, wie er sich erfolgreich gegen die Rabauken in der Schule durchsetzen kann. So blickt Oliver hinter Vincents mürrische Fassade und erfährt, dass er einst ein gefeierter Kriegsheld war und sich seit Jahren liebevoll um seine demenzkranke Frau im Altersheim kümmert. Er wird zum Vorbild für den Jungen, der ihn im Rahmen eines Schulaufsatzes kurzerhand zum Heiligen erklärt.
Die Geschichte beginnt etwas schleppend und müde, steigert sich aber zu einem herrlich rührseligen Finale. Bill Murray agiert dabei gewohnt souverän, aber auch sein junger Gegenpart liefert eine großartige Leistung ab. Und Naomi Watts in ihrer ungewohnten Rolle als radebrechende russische Nutte ist ebenfalls ein echtes Highlight.

FIFTY SHADES OF GREY 2/10

Verfasst: 17.10.2015, 14:40
von Olmo
USA 2015 - Regie: Sam Taylor-Johnson. Darsteller: Dakota Johnson, Jamie Dornan, Jennifer Ehle, Eloise Mumford, Victor Rasuk, Luke Grimes, Marcia Gay Harden

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Für die Universitätszeitung führt die Literaturstudentin Anastasia Steele (Johnson) ein Interview mit dem jungen Unternehmer Christian Grey (Dornan). Das Mauerblümchen ist fasziniert von dem erfolgreichen Tausendsassa, der allerdings Distanz zu ihr bewahren möchte, weil ihr sein ''wahres Gesicht'' womöglich nicht gefallen könnte. Der junge Herr steht nämlich auf Fesselspiele und dergleichen und hat sich zuhause ein ganzes ''Spielzimmer'' mit diversen unartigen Utensilien eingerichtet. Natürlich sind seine ''schrecklichen'' sexuellen Bedürfnisse das Ergebnis einer gaaaanz fürchterlichen Kindheit und des Missbrauchs durch eine ältere Frau. Nur unter der Bedingung eines schriftlichen Vertrages zwischen dem ''Dom'' und der ''Sub'' mit dem Einverständnis, diese Utensilien entsprechend einzusetzen, kann Christian eine Beziehung mit Anastasia eingehen.
Es war schon zu erwarten, dass dieses vermeintlich skandalträchtige Werk nichts weiter als ein prüder und enttäuschender Nackedei-Flop sein würde. Die unglaublich klischeehafte Erotik und die fast schon parodistische Darstellung der BDSM-Praktiken unterbieten diese Erwartungen allerdings in peinlichster Art und Weise. Die profillosen und unglaubwürdigen Darsteller wälzen sich bar jeglicher knisternder Erotik durch die Betten und die Folterkammer, in der ein bisschen Auspeitschen mit dem Ledergürtel bereits als ''schlimmste aller Bestrafungen'' gilt und zur sofortigen Beendigung der Beziehung führt. Bitte keine Fortsetzung mehr, lieber alte Jess-Franco-Filme schauen!