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Olmo
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DER GHOSTWRITER 7/10

Beitrag von Olmo »

Deutschland, Frankreich, Großbritannien 2010 - Regie: Roman Polanski. Darsteller: Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Kim Cattrall, Olivia Williams

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Ein professioneller Ghostwriter (McGregor) erhält von einem großen Verlag den lukrativen Auftrag, die Autobiographie des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang (Brosnan) fertig zu stellen und sucht diesen auf der amerikanischen Insel Martha's Vineyard auf. Dort hat sich Lang zusammen mit seiner Frau Ruth (Williams) und Assistentin Amelia (Cattrall) in ein bunkerartiges Ferienanwesen zurückgezogen. Der Ex-Premier gerät in die Schlagzeilen, als ihm die Befürwortung der Entführung und Folterung Terrorverdächtiger zur Last gelegt wird und er deshalb vor das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt werden soll. Gleichzeitig beschäftigt sich der Ghostwriter mit dem mysteriösen Tod seines Vorgängers, dessen Manuskript er vollenden soll. Bei seinen Recherchen entdeckt er einige brisante Ungereimtheiten in Langs Biographie.
Bekanntlich wurde Roman Polanski 2009 - mitten während der Postproduktion des Films - auf internationalen Haftbefehl hin in der Schweiz verhaftet, so dass er vom dortigen Hausarrest aus an der Fertigstellung des Films weiterarbeiten musste. Herausgekommen ist ein schlichter, aber spannender Thriller in angenehm ruhiger Atmosphäre. Die Trostlosigkeit von Gebäuden und Insellandschaft vermittelt dabei ebenso sehr Beklemmung wie Geborgenheit und zieht so das Hauptaugenmerk auf Handlung und Charaktere. Die Darsteller machen ihre Sache ohne Ausnahme hervorragend. Die Parallelen zu Tony Blair und dessen Politik sind unverkennbar und von Robert Harris, Autor der Romanvorlage auch durchaus beabsichtigt. Bemerkenswert am Rande: Kim Cattrall, bekannt aus ''Sex and the City'' diesmal ganz bieder und unglamourös, James Belushi mit Vollglatze(!) und ein schöner Gastauftritt der steinalten Westernlegende Eli Wallach.
Zuletzt geändert von Olmo am 26.07.2011, 01:39, insgesamt 1-mal geändert.
Olmo
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APPALOOSA 7/10

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USA 2008 - Regie: Ed Harris. Darsteller: Ed Harris, Viggo Mortensen, Renée Zellweger, Jeremy Irons, Timothy Spall, Lance Henriksen, Tom Bower, James Gammon, Ariadna Gil

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Die Männer von ''Farmer'' Randall Bragg (Irons) terrorisieren das verstaubte Nest Appaloosa in New Mexico. Als Bragg auch noch den ortsansässigen Marshal samt zweier Deputees erschießt und die Leichen verschwinden lässt, heuern die Stadtoberen die beiden "Friedensstifter" Virgil Cole (Harris) und Everett Hitch (Mortensen) an. Das eingespielte Duo zeigt sogleich, dass es auch nicht gerade zimperliche Methoden vertritt und geht mit nahezu arrogant rücksichtsloser Gewalt gegen die Unholde vor. Doch besonders Cole offenbart bei all der Härte auch Schwächen. Er kämpft mit dem richtigen Umgang von Fremdwörtern und reagiert regelrecht kindlich verlegen, als er die elegante Witwe Allison French (Zellweger) kennenlernt und sich in sie verliebt. Es gelingt den beiden neuen Gesetzeshütern, Bragg vor Gericht zu bringen, wo dieser zum Tode verurteilt wird. Mit Hilfe des zwielichtigen Ring Shelton (Henriksen) und dank seiner Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten kommt Bragg jedoch um die Schlinge herum. Er kehrt schadenfroh und als reicher Mann nach Appaloosa zurück, wo er sich alsbald an Allison heranmacht. Hitch hat nicht vor, wie Cole in der Stadt sesshaft zu werden und erweist vor seinem Abschied seinem Freund noch einen letzten Dienst.
Wieder einmal ein Neo-Western, der versucht, das ganze Genre auf eine andere Weise zu beleuchten. Erstaunlicherweise gelingt das auch. Ohne die des Wilden Westens naturgegebene übliche Schießwütigkeit in Frage zu stellen wird das Ganze als den Umständen geschuldete Notwendigkeit dargestellt. Gar als sozialkritisch könnte man es bezeichnen, wenn etwa die wirtschaftlichen Beweggründe der Frauen zur Sprache kommen oder eine geänderte soziale Position dazu führt, das Wildwestgebaren einzustellen. So werden die Charaktere auch nicht als umherballernde Helden, sondern als Menschen ihrer Zeit dargestellt, und das teilweise auch humorvoll. Aber so ein bisschen Kugelhagel muss natürlich trotzdem sein. Leider ist der Soundtrack dabei vollkommen unpassend und außerordentlich nervtötend.
Olmo
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POPULÄRMUSIK AUS VITTULA 8/10

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Finnland, Schweden 2004 - Regie: Reza Bagher. Darsteller: Max Enderfors, Andreas af Enehielm, Niklas Ulfvarson, Tommy Vallikari

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Das spießbürgerliche und hinterwäldlerische Pajala im schwedischen Bezirk Vittulajänkkä (zu deutsch: ''Fotzenmoor'') ist nicht gerade der Nabel der Welt. Die meiste Zeit des Jahres ist es dort dunkel und kalt, und als Angehörige der finnischen Minderheit hadern die Einwohner mit ihrer nationalen Identität. Die beiden Freunde Matti und Niila wachsen dort in den Sechziger und Siebziger Jahren auf und träumen davon, die Trostlosigkeit ihrer Heimat hinter sich zu lassen und in die Welt hinauszuziehen. Besonders Niila hat unter seinem religiös fanatischen Vater zu leiden, der ihn und seine Brüder regelmäßig verprügelt. Die erste Begegnung mit dem Rock 'n' Roll trifft Matti und Niila wie eine überirdische Erleuchtung, und als ein paar Jahre später ein neuer junger Musiklehrer an ihrer Schule auftaucht, gründen sie mit seiner Unterstützung eine Band. Den sich einstellenden Erfolg mit der Musik nutzt Matti für die Beziehung zum weiblichen Geschlecht, während Niila darin nach wie vor eine Chance sieht, der provinziellen Enge zu entfliehen.
Die an sich anrührende und tragische Geschichte wird glücklicherweise durch zahlreiche lustige, absonderliche, groteske und auch surreale Einschübe aufgelockert. Und irgendwie sind die saufenden und saunierenden Finnen halt doch ein sympathisches Völkchen. Kippis!
Olmo
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SEA BEAST - DAS UNGEHEUER AUS DER TIEFE 3/10

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USA 2008 - Regie: Paul Ziller. Darsteller: Corin Nemec, Miriam McDonald, Daniel James Wisler, Camille Sullivan

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Die Fischer eines kleinen Küstenstädtchens rätseln, warum sie immer weniger Fische fangen. Grund dafür ist eine Art mutierter Anglerfisch mit eingebauter Tarnvorrichtung, der in der Tiefsee offenbar Gliedmaßen zum Laufen(???) entwickelt hat. Fischkutterkapitän Will muss derweil mit ansehen, wie einer seiner Männer während eines Sturms auf hoher See von eben dieser Kreatur in den Tod gerissen wird. Zuhause aber will ihm niemand seine Geschichte glauben. Erst als die Bestie an der Küste auftaucht und mit seiner hässlichen Brut nach und nach die ahnungslosen Bewohner meuchelt, wird die Gefahr erkannt. Zusammen mit der Biologin Arden macht sich Will auf, die Viecher auszurotten.
Blödsinnige Story über ein noch blödsinnigeres Monster. Die Spezialeffekte sind zweifellos irgendwelchen billigen Bildschirmschonern entlehnt und die Darsteller wurden offensichtlich zur einen Hälfte bei amerikanischen Nachmittags-Telenovelas und zur anderen bei diversen Schüleraufführungen rekrutiert. Schauspieler sind in diesem Film jedenfalls keine zu finden. Ein wenig Erfrischung findet der Zuschauer aber bei ein paar hübschen Splatter-Einlagen. Beim Thema Gagfaktor sei außerdem hingewiesen auf eine blinzelnde Leiche, eine lustige Kotz-Szene und auf den albernen Versuch, eine Baumgruppe zu erschießen.
Olmo
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FREQUENZ MORD 5/10

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Frankreich 1988 - Regie: Élisabeth Rappeneau. Darsteller: Catherine Deneuve, André Dussolier, Martin Lamotte, Etienne Chicot, Ines Claye, Madeleine Marie, Philippe Lehembre, Daniel Rialet, Alain Stern

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Die attraktive Jeanne Quester arbeitet neben ihrer Tätigkeit bei einer psychologischen Notfallzentrale auch äußerst erfolgreich als Radiopsychologin. Als sie dort eines Tages beunruhigende Anrufe erhält und bald darauf in ihre Wohnung eingebrochen wird, steigen in ihr die lange verdrängten schrecklichen Kindheitserinnerungen an die Ermordung ihrer Eltern wieder auf. Hilfesuchend wendet sich Jeanne an ihren Bruder Frank, einen hohen Polizeibediensteten. Auf dessen Veranlassung wird der damals als Mörder verurteilte, inzwischen aber aus der Haft entlassene geisteskranke Faber ausfindig gemacht. Das Wiederrerwachen ihres Kindheitstraumas macht Jeanne die Ausübung ihres Berufes bald unmöglich, und auch ihre bevorstehende Fernsehkarriere droht daran zu scheitern. Nachdem Faber zunächst als Hauptverdächtiger für die Drohanrufe gehalten wird, kommen durch die nachfolgenden Ereignisse jedoch ernsthafte Zweifel auf, ob er für die Taten der Gegenwart und vor allem den Mord in der Vergangenheit tatsächlich verantwortlich ist.
Als Nutzer dieser DVD hat man zunächst als erste Hürde eine absolut unterirdische Bildqualität (Video direkt auf Disk überspielt!) zu überwinden und muss sodann zur Kenntnis nehmen, dass zu aller Enttäuschung auch noch die französische Original-Tonspur weggespart wurde. Der Film selbst erweist sich als unaufgeregter Thriller, begleitet von einem (für Liebhaber) sympathischen 80er-Jahre-Sound. Die Handlung ist die meiste Zeit über zwar spannend, aber irgendwie fehlt ihr dabei der richtige Biss, vermutlich weil - wie immer bei den Franzosen - einfach zuviel gelabert wird. Die Aufdeckung der Identität des Mörders und seiner Motive ist außerdem vollkommen hanebüchen und für einen Film dieser Zeit auch schon mehr als abgedroschen.
Zuletzt geändert von Olmo am 27.06.2011, 20:48, insgesamt 1-mal geändert.
Olmo
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MEIN FÜHRER 7/10

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Deutschland 2007 - Regie: Dani Levy. Darsteller: Helge Schneider, Ulrich Mühe, Sylvester Groth, Adriana Altaras

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Am Neujahrstag 1945 soll Adolf Hitler im zertrümmerten Berlin vor einem Massenpublikum eine flammende Rede halten, um das kriegsmüde und desillusionierte deutsche Volk noch einmal aufzurütteln. Doch selbst er hat den Glauben an einen deutschen Sieg längst verloren und sieht sich nicht in der Lage, einen solchen Auftritt zu bewältigen. Auf Veranlassung von Propagandaminister Goebbels wird daher der jüdische Schauspieler Adolf Grünbaum aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen in die Reichskanzlei beordert, um den geschwächten Führer wie auch schon bei einer früheren Zusammenarbeit geistig und körperlich erneut in Form zu bringen. Während es Grünbaum durch seine neue Position gelingt, auch seine Familie vor der Vernichtung zu retten, will Goebbels Hitlers Schwäche und dessen persönliches Verhältnis zum Juden Grünbaum ausnutzen, um den Führer zu beseitigen und sich selbst an die Spitze des Regimes zu befördern.
Wer denkt, ein Film mit Helge Schneider als Adolf Hitler hätte etwas mit Klamauk zu tun, der irrt gewaltig! Bruno Ganz in ''Der Untergang'', das war Klamauk! Schneider hingegen stellt Hitler als die Figur dar, die dieser eben war - grotesk zwar, aber ebenso unberechenbar, bösartig und krank an Körper und Geist. Der ganze Nationalsozialismus war eine absurde und bis heute unvorstellbare Erscheinung, und genau so wird er im Film auch behandelt. Das hat mit Verharmlosung überhaupt nichts zu tun, wie von vielen Kritikern behauptet. Ganz im Gegenteil: mit bitterbösem Zynismus wird das Schicksal Grünbaums und das aller Juden beleuchtet, während dieser von Angesicht zu Angesicht Goebbels, Himmler und Speer, also den Architekten der Massenvernichtung gegenübersteht.
Olmo
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GLAUBENSFRAGE 7/10

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USA 2008 - Regie: John Patrick Shanley. Darsteller: Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams, Viola Davis

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Ordensschwester Aloysius Beauvier (Streep) führt im Jahre 1964 als Rektorin der katholischen Privatschule St. Nicholas ein strenges Regime. Den Schülern gegenüber verfolgt sie dabei eine harte Philosophie der Disziplinierung und Einschüchterung, die ihr bei der Erziehung die einzig mögliche erscheint. Der ihr vorgesetzte charismatische Priester Brendan Flynn (Hoffman) hingegen lehnt diese altertümlichen Methoden ab, zeigt sich wesentlich liberaler und pflegt einen freundschaftlichen Umgang mit den Schülern. Schützend nimmt er sich des jungen Donald Miller an, dem ersten schwarzen Schüler in St. Nicholas. Dies beobachtet Schwester Aloysius mit Argwohn und beauftragt ihre jüngere Kollegin Schwester James (Adams), nach Hinweisen auf einen möglichen Missbrauch des Jungen durch den Priester zu suchen. Diese macht daraufhin zwar einige Beobachtungen, die von der Rektorin als Indizien für ihren Verdacht gewertet werden, die jedoch als Beweise nicht ausreichen und von Pater Flynn durchaus glaubhaft entkräftet werden können. Doch Schwester Aloysius schenkt den Beteuerungen des Priesters keinen Glauben. Sie hält unerbittlich an ihrer Überzeugung fest und will die Absetzung Flynns erreichen.
''Doubt'', der Originaltitel des Filmes beschreibt den Inhalt der Geschichte treffender. Zwar erscheint Pater Flynn auf den ersten Blick als ''der Gute'' in diesem Duell, doch es bleibt auch vieles zu seiner Person im Dunkeln und daher verdächtig. Schwester Aloysius andererseits tritt zwar wie ein zerstörerischer Drache auf, offenbart aber dennoch mitfühlende Seiten und scheint ihr ganzes Dasein auf das Vertrauen in ihre Überzeugungen aufgebaut zu haben. Daher kann sie in dieser Beziehung auch keine Zweifel zulassen. Die uneindeutigen Charakterzüge beider Figuren werden von Streep und Hoffman meisterhaft umgesetzt und so bleiben beim Zuschauer letztendlich auch große Zweifel an der Richtigkeit des Handelns beider Personen.
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HORSEMEN 5/10

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USA 2008 - Regie: Jonas Akerlund. Darsteller: Dennis Quaid, Ziyi Zhang, Lou Taylor Pucci, Clifton Collins Jr., Patrick Fugit, Paul Dooley, Barry Shabaka Henley

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In der Apokalypse des Johannes wird die Ankunft von vier Reitern prophezeit, Symbole für die Geißeln der Menschheit, die das Ende der Welt ankündigen. Die grausigen Verbrechen, mit deren Aufklärung Detective Aidan Breslin (Quaid) beschäftigt ist, scheinen sich auf genau diese Prophezeiungen zu beziehen. Weil noch weitere Opfer zu erwarten sind, gerät Breslin bei seinen Ermittlungen unter Zeitdruck, während er gleichzeitig vergeblich versucht, die Erziehung seiner Söhne nicht noch länger zugunsten seines Berufes zu vernachlässigen. Zu spät wird ihm dabei bewusst, dass er nicht zufällig mit der Aufklärung der Verbrechen beauftragt wurde.
Spätestens seit ''Sieben'' ist das Thema ''Serienmord nach biblischen Motiven'' ausgereizt und hat daher weitgehend an Faszination verloren. Zwar sind die Verbrechen in diesem Fall durchaus verstörend und unappetitlich dargestellt, trotzdem fehlt es an einer düsteren Atmoshäre, die im Umfeld einer solchen Gewaltorgie zu erwarten wäre. Stattdessen scheint der Film moralisch mehr in eine Richtung zu weisen, in der es um Familie und um Kinder geht, die auf dumme Gedanken kommen, wenn man nicht auf sie aufpasst - schon wegen dem bösen Internet und Computerspielen und so. Jedenfalls passt beides nicht so recht zusammen, auch weil Quaid es überhaupt nicht gelingt, das Entsetzen über die Verbrechen und deren Hintergründe zu transportieren. So hängt der Film halt genauso in den Seilen wie die Opfer an ihren Fleischerhaken.
Olmo
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FATELESS - ROMAN EINES SCHICKSALLOSEN 10/10

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Deutschland, Großbritannien, Ungarn 2005 - Regie: Lajos Koltai. Darsteller: Marcell Nagy, Áron Dimény, András M. Kecskés, József Gyabronka, Endre Harkányi, Béla Dóra, Bálint Péntek, Dániel Szabó, Zsolt Dér, János Bán, Judit Schell, Àdam Rajhona, György Barkó, Daniel Craig

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Der 14jährige György wächst wohlbehütet bei seinem Vater und seiner Stiefmutter in Budapest auf. Die jüdischen Traditionen ihrer Vorfahren sind der Familie längst fremd geworden, und so fällt es besonders den jungen Leuten in Györgys Umfeld schwer zu verstehen, was so ''anders'' an ihnen ist, dass man sie mit einem gelben Stern brandmarkt. Es gibt zwar Gerüchte über Deportationen und Vernichtungslager, aber so recht mag niemand daran glauben. Györgys Vater wird in ein Arbeitslager rekrutiert, so dass er selbst für den Unterhalt der Familie sorgen muss und fortan in einer Ziegelei arbeitet. Auf dem Weg dorthin wird er eines Tages verhaftet, zusammen mit vielen anderen Juden in einen Pferdestall gesperrt und schließlich in einen Viehwaggon gesteckt. Über Auschwitz und Buchenwald gelangt er nach Zeitz, wo er unter den fürchterlichen Strapazen der Zwangsarbeit, den grausamen Bedingungen im Lager und den andauernden Schikanen der Aufseher zu leiden hat. Er entgeht nur knapp dem Tode und kommt nach Kriegsende wieder nach Budapest, wo aber nichts mehr so ist wie zuvor.
Wie sicherlich die meisten Opfer gerät György ahnungslos und unwissend wie ein vom Wind getriebenes Blatt in die entsetzlichen Mühlen des Holocaust. Und dort im Lager zählt für ihn nur noch der Kampf ums nackte Überleben und der ewige Hunger. Der Film - eine Adaption nach einem Roman des Nobelpreisträgers Imre Kertész - arbeitet mit eindrücklichen schön-schaurigen Bildern, aber glücklicherweise nur mit wenigen Worten, was dem Thema sonst nur schaden würde. Das Ganze wird untermalt von sanfter Musik des großen Ennio Morricone. Anhand des Schicksals des jungen György wird bewusst, welche furchtbare Entmenschlichung das ''Leben'' in den Konzentrationslagern für die Millionen von Opfern bedeutete.
Zuletzt geändert von Olmo am 20.10.2010, 00:30, insgesamt 1-mal geändert.
Olmo
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THX 1138 4/10

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USA 1970 - Regie: George Lucas. Darsteller: Robert Duvall, Donald Pleasence, Don Pedro Colley, Maggie McOmie, Ian Wolfe, Sid Haig, Marshall Efron, John Pearce

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In einer fernen Zukunft lebt die Menschheit in unterirdischen, hochtechnisierten Anlagen. Jeder unterliegt umfassend regulierten Tagesabläufen und einer totalen Überwachung. Die Einwohner tragen keine Namen mehr, sondern führen Nummernfolgen als Bezeichnung, sie sterben nicht, sie werden ''vernichtet''. Durch die Einnahme großer Mengen Psychopharmaka wird ihre Leistungsfähigkeit gesteigert, gleichzeitig werden aber auch sämtliche menschlichen Gefühle und Bedürfnisse unterdrückt. Die Nicht-Einnahme von Medikamenten und das Auftreten von Gefühlsregungen gelten als schweres Verbrechen. LUH 3417 (McOmie) hat sich bereits eines solchen Medikamentenvergehens verdächtig gemacht, als sie auch die Dosis ihres Mitbewohners THX 1138 (Duvall) manipuliert, so dass auch dieser zu Gefühlen fähig wird. Sie verlieben sich ineinander und es kommt zum verbotenen Geschlechtsakt. Der Versuch, sich dauerhaft dem System zu entziehen scheitert und beide werden auf Veranlassung des Überwachungstechnikers SEN 5241 (Pleasence) verhaftet. THX wird einer Konditionierung unterzogen und landet im Gefängnis, wo er auf den wegen illegaler Systemmanipulationen ebenfalls verurteilten SEN trifft. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht und sie machen sich auf die Suche nach der verschollenen LUH.
Der erste Spielfilm von George Lucas gilt gemeinhin als bedeutendes Science-Fiction-Werk. Er greift die damals weit verbreitete Furcht vor einer technokratischen und menschenfeindlichen Gesellschaft auf. Viele Motive dieser Zukunftsvision erinnern an das totalitäre Regime von George Orwells ''1984'', aber sowohl die Handlung des Films als auch die Zukunftsvision selbst sind sehr unausgegoren und lückenhaft. Erst nachfolgende Werke wie ''Clockwork Orange'' oder ''Logan's Run'' setzen das Thema besser um. Zudem konnte es sich George Lucas nicht verkneifen, auch sein Erstlingswerk digital zu überarbeiten und mit gänzlich überflüssigen und nervigen Spezialeffekten auszuschmücken.
Olmo
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DAS VERMÄCHTNIS DES GEHEIMEN BUCHES 3/10

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USA 2007 - Regie: Jon Turteltaub. Darsteller: Nicolas Cage, Jon Voight, Harvey Keitel, Ed Harris, Diane Kruger, Justin Bartha, Bruce Greenwood, Helen Mirren

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Während einer Konferenz, bei der Schatzjäger Benjamin Gates (Cage) einen stolzen Vortrag über seinen Vorfahren Thomas Gates hält, legt ihm der Schwarzmarkthändler Mitch Wilkinson (Harris) ein Dokument vor, das Thomas Gates scheinbar als bisher unbekannten Hauptverschwörer des Attentates auf Abraham Lincoln entlarvt. Auf dem Dokument entdeckt Gates einen Code, durch dessen Entschlüsselung er die Unschuld seines Vorfahren beweisen will. Hilfe bekommt er dabei von seiner Freundin Abigail (Kruger) und seinem Kollegen Riley (Bartha), und auch seine Eltern Patrick (Voight) und Emily (Mirren) sind mit von der Partie. Die Suche führt nach Paris und London, und bald erkennen die Schatzsucher, dass in dem Code ein gewaltiges und legendäres Geheimnis verborgen liegt. Währenddessen hat sich Wikinson an deren Fersen geheftet, der ebenfalls hinter das Geheimnis kommen will und der Gates nicht zufällig mit dem Dokument konfrontiert hat.
Bekanntlich leiden die Amerikaner unter ihrer eigenen Geschichtslosigkeit, daher wurden die Gründerväter in ''Das Vermächtnis der Tempelritter'' bereits in kitschiger Art und Weise zu Erben uralter Kulturen stilisiert. Dass es auch noch peinlicher geht, zeigt dieser Film, in dem die Schatzjäger rücksichtslos plündernd und zerstörend durch die Welt ziehen, um ihren Stolz und ihre Eitelkeit zu befriedigen. Dabei werden die Europäer wieder mal als dümmliche, nichtsahnende Volltrottel dargestellt, während der amerikanische Präsident zum Hüter des geheimen Wissens der Menschheit erklärt wird. Nicolas Cage agiert unsäglich schlecht und schafft es nicht einmal, glaubwürdig einen Betrunkenen darzustellen, was in der Regel jedes Vorschulkind hinbekommt. Und auch die anderen Darsteller geben nicht gerade eine gute Figur ab, was von Diane Kruger aber auch keineswegs zu erwarten war. Aber selbst Ed Harris wirkt nur unwesentlich lebendiger als das Stück Holz, hinter dem er her ist. Tip: Nächstes Mal wieder einen richtigen Film anschauen!
Olmo
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INTO THE WILD 6/10

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USA 2007 - Regie: Sean Penn. Darsteller: Emile Hirsch, Marcia Gay Harden, William Hurt, Jena Malone, Brian Dierker, Catherine Keener, Vince Vaughn, Kristen Stewart, Hal Holbrook

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Der junge Christopher McCandless bricht kurz nach Abschluss seines Studiums mit seinem bisherigen bürgerlichen und wohlhabenden Umfeld und begibt sich auf eine abenteuerliche Odyssee durch die Vereinigten Staaten. Er lebt fortan wie ein Obdachloser und hält sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser. Auf seiner Reise freundet er sich mit den unterschiedlichsten Menschen an, die ihm bei der Verwirklichung seines eigentlichen Traumes unterstützen - einem Leben in der Wildnis Alaskas. Dorthin gelangt er schließlich auch, jedoch entwickelt sich aus der anfänglichen Freiheit in Mutter Natur und der Jack-London-Idylle für den unerfahrenen Christopher bald ein gefährlicher Kampf ums Überleben. Zu spät erkennt er, was das wahre Ziel seiner Reise war.
Der Film - entstanden nach der gleichnamigen Reportage von Jon Krakauer (''In eisigen Höhen'') - erzählt die wahre Geschichte des Abenteurers Christopher McCandless, der Anfang der Neunziger Jahre unter dem Pseudonym ''Alexander Supertramp'' durch die Staaten reiste. In landschaftlich schönen, stellenweise aber auch ein wenig verklärenden Bildern werden die Stationen seiner Reise nachvollzogen. Selten sind dabei ausführliche Szenen zu sehen, deren Überleitung jeweils wie eine Aneinanderreihung von Schnappschüssen wirkt, vermutlich weil eben über viele Details zu McCandless Geschichte nur spekuliert werden kann. Keinesfalls ist der Film aber ein kitschiges Road-Movie, und der brutale körperliche Einsatz von Emile Hirsch ist dabei ebenso beeindruckend wie erschreckend. Bei jedem Abschied hat Christopher bei seinen Freunden diesselbe schmerzliche Leere hinterlassen wie schon zuvor bei seiner Familie, dabei hatte er doch mit der dortigen Zuneigung und Geborgenheit das Ziel seines Weges eigentlich schon erreicht. So ist Christopher - getrieben vom Egoismus eines Abenteurers - letztendlich von seinem Ziel weggelaufen, statt es zu erreichen.
Olmo
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DIE BRÜCKE VON REMAGEN 7/10

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USA 1969 - Regie: John Guillermin. Darsteller: George Segal, Ben Gazzara, Robert Vaughn, Bradford Dillman, Peter van Eyck

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Im März 1945 ist die Brücke von Remagen die letzte noch intakte Brücke über den Rhein und somit von kriegsentscheidender Bedeutung für die Wehrmacht und auch für die Alliierten. Während die Deutschen die Brücke sprengen wollen, um den Vormarsch des Gegners im Reich zu stoppen, versuchen die Amerikaner den Übergang so schnell wie möglich zu erreichen, um den Rückzug der noch auf der linken Rheinseite befindlichen 15. Armee aufzuhalten. Brückensicherungskommandant Major Krüger (Vaughn) will unterdessen entgegen seiner Befehle die Sprengung so lange wie möglich hinauszögern, um der deutschen Armee doch noch die Flucht zu ermöglichen. Auf amerikanischer Seite wird die Einheit um Lieutenant Hartman (Segal) als Speerspitze der Invasion unter großen Verlusten zur Brücke vorausgeschickt und soll dort in einem Himmelfahrtskommando deren Zerstörung verhindern.
Weltkriegsspektakel mit überraschend wenig Pathos und sehr militärkritischem Inhalt, technisch hervorragend gemacht mit aufwendigen Kameraeinstellungen und mit atemberaubenden Explosionen. Auch wenn der Film nicht in allen Punkten mit der Historie übereinstimmt, so wurde doch für eine auch in Details möglichst authentische Kulisse gesorgt. Sowohl die Deutschen als auch die Amerikaner werden sehr differenziert dargestellt, und erstaunlicherweise agieren die einzigen Schauspielgrößen des Filmes auf Seiten der Wehrmacht.
Zuletzt geändert von Olmo am 14.04.2012, 18:09, insgesamt 2-mal geändert.
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ABBITTE 7/10

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Großbritannien 2007 - Regie: Joe Wright. Darsteller: James McAvoy, Keira Knightley, Romola Garai, Saoirse Ronan, Vanessa Redgrave

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Die 13jährige Briony wächst auf einem englischen Landsitz auf und möchte Schriftstellerin werden. Mit kindlicher Neugier verfolgt sie, wie sich zwischen ihrer Schwester Cecilia und Robbie, dem Sohn der Haushälterin, eine Liebesbeziehung entwickelt. Aber aus Naivität und ihrer blühenden Phantasie heraus zieht sie aus ihren Beobachtungen die falschen Schlüsse und hält Robbie schließlich für einen gefährlichen Triebtäter. Als die Cousine der Schwestern vergewaltigt wird, bezeugt Briony daher auch fälschlicherweise gegenüber der Polizei, Robbie habe die Tat begangen. Dieser landet daraufhin im Gefängnis. Jahre später ist Robbie im Krieg zusammen mit hunderttausenden anderer Soldaten in Dünkirchen eingekesselt und wartet auf die Evakuierung nach England. Er träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit Cecilia, die sich nach Robbies Verhaftung von ihrer Familie abgewendet hat und in London als Kriegskrankenschwester arbeitet. Auch die inzwischen erwachsene Briony macht eine Schwesternausbildung. Längst ist ihr klar geworden, welches Leid sie durch ihre Lüge über Robbie und Cecilia gebracht hat und sie möchte beide um Vergebung bitten.
Bewegendes Drama nach dem Roman von Ian McEwan (''Der Zementgarten''). Erzählt wird in wunderschönen, selbst an den Kriegsschauplätzen fast märchenhaften Bildern, die die ausschmückende Phantasie Brionys widerspiegeln und die im Kontrast zur sehr realen und tragischen Handlung stehen.
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DER INFORMANT! 4/10

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USA 2009 - Regie: Steven Soderbergh. Darsteller: Matt Damon, Scott Bakula, Joel McHale, Melanie Lynskey

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Der Biochemiker Mark Whitacre arbeitet Anfang der Neunziger Jahre beim Agrarkonzern ADM und ist dort für die Lysinproduktion verantwortlich. Als es durch einen Virus zu Produktionsausfällen kommt, vermutet er dahinter einen Saboteur und Erpresser, der mit der japanischen Konkurrenz zusammenarbeitet. ADM schaltet das FBI ein, welches daraufhin Whitacres Telefon überwachen lässt. Whitacre befürchtet, von ADM zum Sündenbock gemacht zu werden und informiert das FBI über illegale Preisabsprachen seines Konzerns mit ausländischen Konkurrenten. Fortan arbeitet er als verdeckter Informant und soll mittels versteckter Mikrofone und Kameras bei diversen Meetings Beweise für seine Anschuldigungen sammeln, wobei er sich aber zum Entsetzen der Ermittler äußerst tölpelhaft verhält. Schließlich wenden sich die Ermittlungen seiner eigenen Person und seiner bisher verschwiegenen illegalen Machenschaften zu und er verheddert sich in einem Gestrüpp aus Lügengeschichten.
Matt Damon ist und bleibt ein fürchterlich schlechter Schauspieler. Selbst mit angeklebtem Bart, Fussel-Toupet und Speckpolster schafft er es nicht, die bedauernswert trottelige Figur Mark Whitacres glaubhaft zu verkörpern. Der Film selbst scheint aber auch nicht so recht zu wissen, was er eigentlich ist: Für eine Komödie zu lahm, für ein Drama zu albern. Und das ganze wird von einem furchtbar unerträglichen Soundtrack begleitet, den Soderbergh offenkundig aus einem seiner ''Ocean's''-Filme recycelt hat. Schlimm, wenn man bedenkt, dass die Handlung auf einer wahren Begebenheit beruht und daher sicherlich mehr Qualität bei der filmischen Umsetzung verdient hätte.
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